Spitäler überfüllt – Corona-Kranker im Freien behandelt

Überfüllte Krankenhäuser in Bosnien: Ein Corona-Kranker musste seine Infusion im Freien verabreicht bekommen.
Überfüllte Krankenhäuser in Bosnien: Ein Corona-Kranker musste seine Infusion im Freien verabreicht bekommen.Facebook
Ein Kollaps in den Krankenhäusern - jenen fürchtet auch Österreich. In Bosnien ist genau das der Fall. Das Gesundheitswesen kollabiert langsam.

Tagelang schon hat dieser Mann mit hohem Fieber und einer Lungenentzündung zu kämpfen – er hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Im Normalfall gehört ein Corona-Patient mit solchen Beschwerden ja ins Krankenhaus eingeliefert. Aber was tun, wenn das gesamte Gesundheitswesen bereits derart überlastet ist, dass auf solche Maßnahmen zurückgegriffen werden muss?

In einem Krankenhaus im bosnischen Trebinje war kein Bett mehr frei, nicht einmal für einen an Corona erkrankten Patienten. Den Mann nicht zu behandeln, war freilich auch keine Option. Daher entschieden sich die Mediziner offensichtlich zu diesem Notfallplan: eine Behandlung im Freien.

Und genau dabei entstand dieses Bild. Ein wütender Freund des Corona-Kranken postete dieses Foto in den sozialen Medien. Dem Beitrag auf Facebook fügte er folgende Beschreibung zu. "Auf dem Foto ist mein Freund zu sehen. Seit Tagen hat er schon mit hohem Fieber zu kämpfen, außerdem hat er auch eine Lungenentzündung. So hat er heute seine Therapie verabreicht bekommen."

Unverständnis

Wie verschiedene lokale Medien berichten, ist der Zustand in den Krankenhäusern aber schon sehr lange nicht mehr so, wie er sein sollte. Die Pandemie habe lediglich zum Vorschein gebracht, dass die medizinischen Einrichtungen dortzulande nicht ausreichend bzw. nicht gut genug ausgestattet sind. Den Corona-Patienten könne demnach auch keine entsprechende Hilfe geleistet werden.

Der erzürnte Mann zeigte wenig Verständnis: "Während die Machthaber in Saus und Braus leben, Pools und Villen errichten und mit Geldern aus fragwürdigen Quellen um sich werfen, werden die Leute so behandelt."

Im Falle dieses Krankenhauses brachte der Nachrichtensender "BN" in Erfahrung, dass das Spital tatsächlich aus allen Nähten platzt. Hunderte Menschen mit Lungenentzündung müssten sich demnach zu Hause auskurieren. Die Stadt Trebinje verzeichne dem Bericht zufolge tagein, tagaus immer höhere Zahlen bei den Corona—Neuinfektionen.

Statement der Krankenhaus-Direktorin

Wie der Nachrichtensender "N1" schreibt, habe sich die Ärztliche Direktorin des Krankenhauses zu dem in den sozialen Medien kursierenden Foto geäußert. "Dieses Foto erfüllt uns mit Stolz, denn es zeigt, wie aufopfernd sich unsere Mitarbeiter bemühen und übermenschliche Anstrengungen anstellen, um jeden Patienten untersuchen und behandeln zu können."

Weiters betonte sie, dass kein einziger Patient ohne Untersuchung nach Hause geschickt wurde und, dass jedem einzelnen eine adäquate Behandlung verschrieben wurde. "Wir suchen uns weder die Umstände, noch die Zahl der Patienten aus. Wir arbeiten mit dem, was uns zur Verfügung steht."

Abgesehen davon sei es in ihren Augen nicht angebracht, über die Gesundheitseinrichtungen, das Gesundheitssystem oder das medizinische Personal zu spotten, welches in diesem Fall eine Lösung gefunden hat, dem Patienten seine unbedingt notwendige Medizin zu verabreichen.

Bosnien im Kampf gegen Corona

In Bosnien und Herzegowina wurden in den vergangenen 24 Stunden insgesamt 1540 neue Coronavirus-Fälle registriert. In demselben Zeitraum wurden 72 mit dem Virus im Zusammenhang stehende Todesfälle verzeichnet. Das Land zählt Angaben der UN zufolge knapp 3,3 Millionen Einwohner.

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