Sarkissova: "Ballett verlangt Selbstaufgabe"

Opern-Direktor Meyer stellte nach Übergriffs-Vorwürfen Beschuldigte frei. Ballerina Sarkissova sieht das alles nicht so tragisch.
Eine Ex-Schülerin der Ballettschule nennt das Institut "Jugendstrafanstalt", eine Ex-Schülerin hatte sich bei einer Körpergröße von 1,70 auf 37 Kilo heruntergehungert, jahrelang sollen Kinder in großem Maßstab gedemütigt worden sein. Eine Verletzung sei eine "Starfe Gottes", weil das Training verpasst wurde, ein Tritt gegen den Knöchel endete mit zwei Monaten Zwangspause. Wie der "Falter" in seiner aktuellen Ausgabe (10.4.) berichtet, haben mehrere Lehrerinnen versucht, am System etwas zu ändern. Jolantha Seyfried, ehemals erste Solotänzerin der Staatsoper spricht von "Sklavenmentalität", die Kinder seien nur eine Ware. Sie wurde als Leiterin der Ballettakademie abgesetzt.

+++ So schlimm soll es an der Ballettakademie zugehen +++

Ballettdirektor Dominique Meyer soll "erschrocken, sprachlos" gewirkt haben, als ihn der "Falter" mit dem vollen Ausmaß der Vorwürfe konfrontierte. Kulturminister Gernot Blümel (ÖVP) lässt eine Sonderkommission einrichten. "Ein Verhalten wie das in den Vorwürfen angeprangerte ist vollkommen inakzeptabel", so Blümel in einem Statement.

Kinder sind ein Produkt, Eltern brauchen nicht erstaunt sein

Karina Sarkissova, Ballerina an der Budapester Oper und "Dancing Stars"-Jurorin, hat eine härtere Einstellung zu den Vorfällen. In Russland gehe es härter zu als bei uns. Ja, Kinder seien ein Produkt. "Wenn Eltern danach erstaunt sind, dann haben sie sch das davor einfach nicht klargemacht, was alles abverlangt wird.", erklärt sie der "Krone".

CommentCreated with Sketch.27 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Zu den Vorwürfen sagt sie: "Dieser Beruf ist schwer anders auszuüben. Er verlangt Selbstaufgabe, die Bereitschaft für Härte und für negative Kritik."

Füße einer 18-Jährigen nach einem schikanös langen Trainingstag. Sie erlitt einen Bandscheibenvorfall aufgrund brutaler Trainingsmethoden Quelle: Falter
Füße einer 18-Jährigen nach einem schikanös langen Trainingstag. Sie erlitt einen Bandscheibenvorfall aufgrund brutaler Trainingsmethoden Quelle: Falter
"Man muss es in Kauf nehmen"

Auch sie habe am eigenen Leib Übergriffe erlebt. "Meine Lehrerin hat mich gekratzt. Es passiert, man muss es in Kauf nehmen. Die Frage ist immer: Willst du Ballett-Star sein? Wenn nicht, dann kannst du jeden klagen." Unentschuldbar sei, wenn es zum Äußersten käme. Wann die Grenze erreicht ist, führen Sarkissova und Krone nicht aus.

Dominique Meyer, Direktor der Wiener Staatsoper, sagt: "Ich bin sehr betroffen, wenn ich all das höre."
Dominique Meyer, Direktor der Wiener Staatsoper, sagt: "Ich bin sehr betroffen, wenn ich all das höre."
(lam/red)

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