In einem Videointerview mit dem indischen Nachrichtensender "India Today" verkündet der Dirigent Zubin Mehta die Absage aller geplanten Konzerte mit der Israelischen Philharmonie. Mit dieser Entscheidung bringt er seinen Protest gegen die Regierungsentscheidungen von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu in der Palästinenserfrage zum Ausdruck.
Dass Kunst und Kultur eine starke Stimme haben können, um Missstände anzuprangern, die Bevölkerung aufzuklären und als Sprachrohr gegen politische Machenschaften zu dienen, das will Mehta damit deutlich machen. Für den 89-Jährigen lassen sich Musik und Politik nicht voneinander trennen. Mit den Konzertabsagen setzt er ein klares Statement.
Mehta, der bereits fünfmal das Neujahrskonzert in Wien dirigiert hat, hatte in der Vergangenheit selbst bereits mit Antisemitismus zu tun. Während seiner Studienzeit in der österreichischen Hauptstadt habe ihm sein damaliger Hausbesitzer untersagt, jüdische Freunde einzuladen. Mit der Konzertabsage setzt er nun ein Zeichen, das insofern überraschend scheint, da der Dirigent lange sehr eng mit der Israelischen Philharmonie zusammengearbeitet hat – mehr als 40 Jahre lang war er deren Chefdirigent.
Der in Indien geborene Dirigent hatte bereits in der Vergangenheit klar Stellung bezogen. Vor einigen Jahren kritisierte er die politische Passivität gegenüber Muslimen in Indien, die von hinduistischen Fundamentalisten verfolgt würden. Neben den Konzertabsagen äußerte er zudem die Hoffnung, dass die kommenden Wahlen zu einem politischen Wechsel in Israel führen würden.