Schon Anfang der Nullerjahre, als Online-Dating noch amateurhaft und ungefiltert war, rauschten junge Frauen durchs Internet-Angebot, um immer wieder ungefragt von nackten Tatsachen überrascht zu werden.
Männer, die weniger gut mit Worten umgehen konnten, setzten auf Direktmarketing der derben Art, was wahlweise überfordernd oder amüsant war – je nachdem, was man aufgetischt bekam. Meistens waren die Fotos schlecht ausgeleuchtet, in einem verwirrenden Winkel aufgenommen und führten absolut niemals zu Verzückung. Das hat sich übrigens bis heute nicht geändert.
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Keine Frau hat jemals aufgrund eines nicht erwünschten Penisbildes lustvoll und umgehend ein Date mit einem Mann ausgemacht. Eher das genaue Gegenteil – ein weiteres Glied, das zum absoluten Ausschluss eines potenziellen Partners führt. Anders gestaltet es sich da bei Gay-Datingportalen, wo Genitalfotografie Teil des Geschäftsmodells ist. Seit einem halben Jahr stehen unaufgefordert gesendete Dick-Pics in Österreich unter Strafe, sie gelten als sexuelle Belästigung. Wenn man nicht mehr über die expliziten Aufnahmen lachen kann, muss man falsch verstandene Männlichkeit auch in die Schranken weisen können.