Bis in die Nacht hinein wurde heute am Wr. Neustädter Landesgericht verhandelt, stundenlang zogen sich die Geschworenen dabei zur Urteilsberatung zurück. Denn es stand viel auf dem Spiel: War der Messerstich eines 31-Jährigen ein Mordversuch oder absichtlich schwere Körperverletzung?
Rückblick: Am Abend des 30. August 2019 gerieten mehrere Männer aus der Suchtgiftszene am Bahnhof Wr. Neustadt in Streit. Der iranische Asylwerber soll sich gekränkt gefühlt haben, da ihm der Nordburgenländer (28) angeblich einen 20 Euro-Schein herablassend übergeben hatte, der 31-Jährige hatte sich nicht respektiert gefühlt.
Der Iraner soll dem Burgenländer daraufhin einen Bruststich versetzt und ihn dabei sehr unglücklich getroffen haben, der Burgenländer überlebte nur knapp ("Heute" berichtete). Es folgten schließlich drei Lokalaugenscheine am Bahnhof Wr. Neustadt ("Heute" berichtete). Die Bluttat in der Schutzzone hatte auch in der Politik für Diskussionen gesorgt.
Am 30. Juni ging der Prozess wegen versuchten Mordes, nach coronabedingter Verschiebung, endlich los, am heutigen Dienstag folgte die Fortsetzung. Zahlreiche Zeugen wurden einvernommen, ein Gutachter führte die Verletzungsart und -schwere des Opfers aus. Der Angeklagte leugnete bis zuletzt stur. Der 31-Jährige (Anwalt Wolfgang Blaschitz) gab zwar zu, beim Streit dabei gewesen zu sein, will aber - entgegen der Zeugenaussagen - nicht zugestochen haben.
Am Dienstagnachmittag zogen sich die Geschworenen zur Urteilsberatung zurück, erst nach mehreren Stunden gab es kurz vor 22.30 Uhr ein Urteil: Alle acht Geschworenen entschieden gegen Mordversuch und auf absichtlich schwere Körperverletzung. Die Strafhöhe (nicht rechtskräftig): 2,5 Jahre Haft plus Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher.