Stille Heldinnen lieferten immer Essen aus

Sie sorgen dafür, dass es jenen gut geht, die sich selber nicht mehr so versorgen können. Die Mitarbeiter der Firma "Mahlzeit" liefern auch in der Corona-Zeit das Essen für hunderte meist ältere Menschen aus.

Seit zwölf Jahren schon beliefert Michaela Hopfinger (49) Menschen in Linz mit Essen. Doch die vergangenen Wochen waren für sie und ihre Kundinnen und Kunden eine besonders belastende Zeit. Wegen der Gefahr durch das Coronavirus konnte die Mitarbeiterin der Firma Mahlzeit (mehr dazu im Infokasten) nicht so arbeiten, wie gewohnt.

"Das war und ist schon sehr belastend", gesteht Hopfinger. Schon in der Firma selber sind nur wenige Menschen zur selben Zeit da, um die Abstandsregeln nur ja nicht zu brechen. "Die Kolleginnen und Kollegen gehen einem schon ab. Es fehlt das kleine Plauscherl", so Hopfinger.

Kontakt zu den Menschen fehlt

Aber auch der Kontakt zu den Kunden war ganz anders. "Wir dürften nicht in die Wohnungen. Deshalb haben wir das Essen vor für Türen stellen müssen. Das war schon belastend, weil man gar nicht gewusst hat, wie es den Menschen geht", sagt Hopfinger.

Denn die Besuche der "Mahlzeit"-Mitarbeiter ist für die meist älteren Kundschaften oft das Highlight des Tages. "Man plauderte dann kurz mit den Menschen. Das ist sehr wichtig. Aber in den letzten Wochen war das leider nicht mehr möglich. Das tut schon auch mir weh, geht mir ab", sagt Hopfinger.

Doch nach kurzer Zeit fand so mancher ein "Schlupfloch". "Es kommt immer wieder vor, dass vor der Tür ein kleines Briefchen liegt, oder auf die Bestellscheine etwas Nettes geschrieben wurde. Außerdem haben die Menschen auch immer wieder hinter der Tür gewartet, bis wir kommen, damit wir wenigstens ein paar Worte wechseln", so Hopfinger. 

Aber es gab auch Schattenseiten. "Leider haben sich auch Menschen darüber beschwert, dass wir keinen Kontakt haben dürfen. Das waren leider oft Angehörige der Kundinnen und Kunden", berichtet die "Mahlzeit"-Mitarbeiterin.

Auch die Hotline 1450 wurde verorgt

60 bis 70 Kunden betreut Michaela Hopfinger pro Tag bei ihrer Tour. In den Coronazeiten waren es oft auch mehr, weil bedingt duch die Ausgangsbeschränkungen viele neue Kunden dazu kamen.

Das bestätigt auch Prokurist Markus Baumann: "Wir hatten rund 20 Prozent mehr Kunden in der Zeit. Und darüber hinaus haben wir auch die Mitarbeiter der Gesundheits-Hotline 1450 praktisch rund um die Uhr beliefert." Innerbetrieblich warteten aber auch viele Herausforderungen. "Wir haben viele Mitarbeiter, die schon in der Pension sind. Weil die zur Risikogruppe gehören, haben sie nicht arbeiten dürfen. Deshalb war die Belastung für die Jüngeren natürlich umso höher", so Baumann.

Mahlzeit – eine Kooperation vom Roten Kreuz, dem Samariterbund und der Volkshilfe – versorgt seit 20 Jahren Menschen mit mobilen Menüs. Täglich ofenfrisch in einigen ausgewählten Gemeinden und wöchentlich tiefgefroren in ganz Oberösterreich. Hier kann aus der Karte mit über 120 Speisen gewählt werden und die Lieferung erfolgt direkt nach Hause. Daheim essen ohne selbst zu kochen lautet die Devise. 

Das Angebot des Linzer Unternehmen mit Standorten in Wels und Braunau reicht von Hausmannskost über leichte Menüs bis hin zu Gerichten für Diabetiker und Vegetarier. Sämtliche Speisen werden ohne Geschmacksverstärker, Farb- und Konservierungsstoffe und natürlich gentechnikfrei zubereitet.

Aktuell werden über 3.000 Kunden in fast allen oberösterreichischen Gemeinden beliefert. In den vergangenen 20 Jahren wurden so über sechs Millionen Menüs serviert.

CommentCreated with Sketch. Jetzt kommentieren Arrow-RightCreated with Sketch.
Nav-Account gs Time| Akt:
LinzCoronavirusRotes KreuzSamariterbund

ThemaCreated with Sketch.Weiterlesen