Stillen trotz Omikron? Expertin klärt Mütter auf

Stillexpertin Simone Dueller klärt auf: "Besonders wichtig ist es uns, dass keine Mutter aufgrund einer Covid-19-Infektion glaubt, abstillen zu müssen."
Stillexpertin Simone Dueller klärt auf: "Besonders wichtig ist es uns, dass keine Mutter aufgrund einer Covid-19-Infektion glaubt, abstillen zu müssen."iStock, Joachim Krenn
Das Thema Corona im Bezug auf Schwangerschaft und Stillen verunsichert viele Mütter. Eine Expertin klärt im "Heute"-Interview auf.

Impfen in der Schwangerschaft, stillen trotz Coronaerkrankung: Viele Mütter sind auch nach fast zwei Jahren Pandemie  verunsichert, wenn es um das Coronavirus im Bezug auf ihren Nachwuchs geht. Im Interview mit "Heute"erklärte Frauenarzt Dr. Georg Braune, warum sich Schwangere unbedingt impfen lassen sollten. "In einer Schwangerschaft gibt es meist leichte Corona-Verläufe. Aber es kommt auch zu sehr schweren Fällen – es sind schon Schwangere gestorben, Kinder auch. Daher ist eine Impfung während der Schwangerschaft ein sehr, sehr guter Schutz – vor einer Infektion oder zumindest vor einem schweren Verlauf. Klar ist: Erkrankt eine Schwangere schwer, kommt es zu einem riesigen Problem."

Auch bei Covid-Infektion weiterstillen

Wie sieht es aber nach der Schwangerschaft aus, wenn die frischgebackene Mama an Corona erkrankt? "Heute" hat bei Simone Dueller, Stillberaterin und Obfrau der La Leche Liga Österreich, nachgefragt. "Mit Fake-News sind wir im Bereich der Stillberatung bestens vertraut, da den Hauptteil unserer Beratungstätigkeit eigentlich das fundierte Widerlegen sogenannter "Ammenmärchen" ist, die sich quer durch die Gesellschaft ziehen, bis hin zu medizinischem Fachpersonal. Besonders wichtig ist es uns hier natürlich, dass keine Mutter aufgrund einer Covid-19-Infektion glaubt, abstillen zu müssen. Wie bei jeder Infektion ist es da gerade wichtig, weiterzustillen, da die Babys über die Muttermilch ganz wichtige Informationen aufnehmen, die die Bildung von Antikörpern anregt", so Dueller gegenüber "Heute".

Geimpfte Mütter können mit ihrer Muttermilchihr Neugeborenes sogar vor einer Infektion schützen. Denn die Muttermilch von Müttern, die gegen COVID-19 geimpft wurden, enthält laut einer Studie der University of Florida eine erhebliche Menge an Antikörpern. Um eine Ansteckung beim Baby zu verhindern, sollen infizierte Mütter jedoch während dem Stillen Maske tragen und sich vor Kontakt mit dem Kind die Hände waschen. 

Tabuthema Langzeitstillen

Doch nicht nur Corona befeuert Fake-News, wenn es ums Stillen geht. Auch beim Thema Langzeitstillen herrscht viel Fehlinformation. "Mutterschaft und der Umgang mit Stillen sind ein gesellschaftspolitisches Thema. So wird das Stillen generell oft mit Belastung und Unfreiheit, einem gewissen 'Angebundensein' verknüpft, was sehr stark mit den Ansprüchen unserer Leistungsgesellschaft zusammenhängt. Daraus ergibt sich, dass eine Mutter, die länger als die empfohlene Mindeststilldauer von 6 Monaten stillt, oft pathologisiert wird, denn es wird so gesehen, als könnte sie sich nicht vom Kind lösen oder würde sich freiwillig weiterhin 'anbinden lassen'", erzählt Dueller. 

Laut der Stillberaterin würden viele Mütter dadurch das Gefühl bekommen, dass etwas mit ihnen nicht stimmen würde. "Das erzeugt Scham. "Dabei hören sie einfach auf ihr Gefühl und ihre eigenen Bedürfnisse und die ihres Kindes. Und da das Stillen von größeren Kindern dadurch nicht so offen gezeigt wird, ist es ungewohnt. Und alles Ungewohnte ist für Menschen befremdlich und erzeugt als ersten Impuls oft Ablehnung." Diese Ablehnung hat auch Susanne D. zu spüren bekommen. Die Achtfach-Mama hat eines ihrer Kinder bis zum sechsten Lebensjahr gestillt. "Ich habe meinen Vierjährigen in einem Café diskret gestillt. Da hat mir dann ein junger Mann gesagt, ob das jetzt unbedingt sein muss. Auch im Zug wurde ich deswegen schon angefeindet", erzählt die Wienerin im Gespräch mit "Heute".

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Wie man mit derartigen Anfeindungen umgehen kann, damit beschäftigt sich auch Dueller in ihren Kursen. "Wir unterstützen die Mütter dabei, ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht durch unqualifizierte Meinungen verunsichern zu lassen. Wenn es der Mutter den Alltag mit Baby erleichtert, wenn sie das Kind öffentlich stillt, dann ermutigen wir sie dazu, das zu tun. Wenn sie keine Ressourcen hat, um sich Anfeindungen auszusetzen, dann empfehlen wir, auch darauf zu hören und Situationen zu meiden, in denen sie dadurch zusätzlich Belastung erfährt. Junge Mütter brauchen all ihre Energie für sich selbst und die Kinder, da sollten sie sich nicht noch zusätzlich mit Meinungen und Befindlichkeiten außenstehender Personen belasten."

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