Das Coronavirus scheint sich nun auch zum Problem für Nutztiere zu entwickeln. Nicht, weil sie sich mit dem Virus infizieren können (das scheint nach derzeitigem wissenschaftlichen Stand nicht der Fall zu sein), sondern weil sie zum Schlachten oder Mästen quer durch Europa und die Welt transportiert werden.
In Zeiten der Corona-Krise führt dieser Weg über mehrere, geschlossene und/oder stark kontrollierte Grenzen. Die Tiere stecken stundenlang im Stau fest, werden kaum bis gar nicht versorgt und man kommt mit dem Kontrollieren nicht hinterher. "Heute" berichtete".
„"Tierärzte und Polizei in allen betroffenen Ländern haben während der Coronavirus-Krise weder Zeit noch Ressourcen, um geltende Tierschutzstandards zu gewährleisten."“
, kritisiert Vier Pfoten-Direktorin Rosenberg in einer aktuellen Aussendung.
Immer mehr Tierschutzorganisationen berichten von Tiertransportern, die stundenlang in Staus an Grenzen feststecken. Die Tiere werden nicht richtig bis gar nicht versorgt, bei anderen Tieren, die in Drittstaaten wie Afrika verschifft werden, weiß man gar nicht, ob sie im Zielland anlegen dürfen. Und das, nachdem die Tiere zwei Wochen zusammengedrängt auf einem Schiff dorthin transportiert werden.
„Die Tiere stehen häufig dicht gedrängt in den Transportern, haben oft keinen Zugang zu Wasser. Wir erhalten Berichte von vor Ort, dass Milchkühe in den Staus schreien, weil sie nicht gemolken werden und Schmerzen haben", sagt Eva Rosenberg, Direktorin von Vier Pfoten.
Die "Eurogroup for Animals" fordert die EU-Kommission in einem Brief dazu auf, grenzüberschreitende Exporte lebender Nutztiere, auf dem Land- wie Seeweg, sofort zu stoppen. Nationale wie internationale Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten, der Verein gegen Tierfabriken (VGT), die "Animal Welfare Foundation" (AFW) oder der Wiener Tierschutzverein (WTV) schließen sich dieser Forderung an.
„"Anstatt lebendige Tiere zu transportieren, könnte man nur Exporte von gekühltem oder gefrorenem Fleisch zulassen"“
, schlägt Vier Pfoten vor.
„Im Hinblick auf die aktuelle Lage in und außerhalb Europas, sind die zuständigen Behörden verpflichtet, Transporte zu verbieten, wenn den Tieren während des Transports unangemessenes Leid zugefügt werden könnte, so Rosenberg weiter. Dies treffe absolut auf die aktuelle Situation zu", so die Vier Pfoten-Direktorin abschließend.
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