Heinz-Christian Strache wirft Sebastian in einem Interview vor, sein Wort gebrochen zu haben. Zudem plaudert er über Drogen, Fehler und seine Frau Philippa.
Es ist das bisher ausführlichste Interview Straches zur Ibiza-Affäre: Über drei Seiten erklärt sich der gefallene Vizekanzler in der Schweizer Wochenzeitung "Die Weltwoche" (Printausgabe vom Mittwoch, 29. Mai).
Chefredakteur und Herausgeber der Zeitung ist Roger Köppel, Nationalrat der rechtskonservativen Partei SVP. Nach Auftauchen der Ibiza-Videos schrieb Köppel in einem EditorialZeilen wie diese: "Das heimliche Strache-Video in Österreich ist das seit langem spektakulärste Beispiel eines politischen Auftragsmords."
Entsprechend kritisch wird das Interview von politischen Beobachtern aufgenommen. "Peinliche Stichwortgeberei", "an Devotheit nicht zu überbieten", "nicht eine kritische Frage", lauten Kommentare auf Twitter.
Wir haben die zentralen Aussagen des Interviews für Sie zusammengefasst:
Er versuche derzeit nach Kräften, die politische und persönliche Krise zu bewältigen, in der er sich befinde, erzählt Strache. Auf die Frage, wo rückblickend sein größter Fehler gelegen habe, antwortet er:
"Ich habe offenbar den Fehler gemacht, mich in einer privaten Urlaubssituation unbeobachtet zu wähnen und nicht auf die mir während dieses Abends wiederholt aufgekommenen Zweifel reagiert zu haben." Unachtsam und naiv sei er gewesen.
Wie schon bei seiner Rücktrittserklärung spricht Strache auch im "Weltwoche"-Interview von einem "politischen Attentat", das auf ihn verübt worden sei. Auf die Nachfrage Köppels, ob er sich mehr über die "Attentäter" oder über sich selber ärgere, sagt Strache, natürlich ärgere er sich auch über sich selbst.
Er sei aber auch "enttäuscht, dass mich mein jahrelanger Wegbegleiter Johann Gudenus überhaupt erst in diese Situation mit den Lockvögeln hineingeführt hat".
Immer wieder kommt Strache in dem Gespräch auf seine Ehefrau Philippa zu sprechen. Als Köppel wissen will, was in diesen "finsteren Momenten der persönliche Lichtblick" Straches sei, antwortet dieser:
"Der mir widerfahrende starke Zusammenhalt mit meiner Frau, die meine Herzensperle ist. Sie hat ein Herz wie eine Löwin."
Wann genau er von der Existenz der Ibiza-Videos erfahren hat, will Strache aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. Er lässt die "Weltwoche"-Leser jedoch wissen, wie er sich in dem Moment der Enthüllung gefühlt hat:
"Ich war fassungslos ob der Hinterhältigkeit, Niedertracht und auch Bösartigkeit und zugleich auch verärgert über die jedenfalls teilweise aus dem Kontext gerissene Darstellung und Interpretation meiner Äußerungen."
Strache ist überzeugt, dass das Video nicht allein dazu bestimmt war, ihm und der FPÖ zu schaden, sondern gezielt publiziert wurde, um "unmittelbar vor der Europawahl eine erfolgreiche Regierungsarbeit zu sprengen und die Wahlen in Folge beeinflussen zu wollen".
Auf die Nachfrage Köppels, ob die Veröffentlichung des Videos im öffentlichen Interesse liege, antwortet Strache: "Nein, die Veröffentlichung diente allein der Bloßstellung und dem Rufmord." Er sei mit dem Video nie um Geld erpresst worden, gibt er weiter zu Protokoll.
Gefragt, ob man ihm während des Treffens Drogen verabreicht habe, antwortet Strache bestimmt: "Nein! Drogen habe ich Zeit meines Lebens konsequent abgelehnt."
Er könne allerdings nicht ausschließen, "dass die mir Tropfen in die Getränke geschüttet haben, um mich vertrauens- und redseliger zu machen".
Roger Köppel ist "Weltwoche"-Chefredakteur und SVP-Politiker (Bild: Keystone)
Ob er ernst gemeint habe, was er im Video gesagt habe, will Köppel von Strache wissen. Dieser verneint: "Das waren artikulierte Gedankenspiele, die nie weitergesponnen wurden. Nicht einmal im Ansatz wurde versucht, diese Dinge umzusetzen. Es waren und bleiben Hirngespinste."
Er könne ausschließen, dass weiteres kompromittierendes Video- und Tonmaterial existiere. "Außer betrunkenes und despektierliches Gerede über diverse Gerüchte."
Sein letztes Gespräch mit Sebastian Kurz habe am Samstag des Rücktritts um elf Uhr stattgefunden, gibt Strache zu Protokoll. In diesem Gespräch habe Kurz ihm zugesagt, im Falle eines Rücktritts Straches "die erfolgreiche Regierungsarbeit unter Mitwirkung der FPÖ" fortsetzen zu wollen.
"Hieran hat er sich nicht gehalten. Dieser Wortbruch hat mich sehr enttäuscht."Köppel fragt, ob Kurz noch weitere politische Abmachungen gebrochen habe, woraufhin Strache eine ganze Liste an Vorwürfen präsentiert.
So habe Kurz nicht nur bei der Abschaffung der GIS-Gebühren einen Rückzieher gemacht, sondern auch bei der 1,50-Euro-Regelung, dem vereinbarten Strafgesetz zum Verbot des politischen Islam und bei der Änderung der Verfassung hin zur direkten Demokratie.
Die ÖVP habe noch jede Regierung platzen lassen, wenn sie einen strategischen Vorteil für sich gesehen habe, so Strache. In diesem Licht seien auch die Neuwahlen zu betrachten.
Interviewer Köppel fragt eifrig nach: Ob Kurz' Strategie nicht kurzsichtig sei? "Klüger wäre es gewesen, die Regierung fortzuführen", so der Schweizer Journalist und Politiker.
Strache stimmt ihm zu: "Ich denke, hier gab es eine klare ÖVP-Strategie, den Innenminister Herbert Kickl durch einen ÖVP-Minister zu ersetzen. Ich sehe eine ÖVP-Allmachtsfantasie, alles an sich zu reißen und zu kontrollieren."
Strache lässt sich gar zur Aussage hinreißen, die ÖVP versuche offensichtlich, "die für sie unangenehme Aufklärung der Ibiza-Affäre zu verhindern". Zu diesem Zweck habe sie die U-Ausschüsse zur Causa Eurofighter und BVT gestoppt.
Strache bezeichnet die FPÖ als "Familie", die voll uns ganz hinter ihm stehe.
"Das Ziel ist es natürlich, der FPÖ zu schaden und uns zu spalten. Die FPÖ lässt sich jedoch nicht spalten und steht als freiheitliche Familie geschlossen zusammen."
Seine wichtigste Erkenntnis aus dieser Krise sei, dass Dirty-Campaining-Methoden nichts in der politischen Auseinandersetzung verloren haben, so Strache – nicht ohne ein weiteres Mal auf den "SPÖ-Silberstein-Skandal und die Verhaftung von Silberstein" zu verweisen.
Nun müssten Täter und Auftraggeber entlarvt und bestraft werden. "Sonst wird ein solches illegales Verhalten und Filmen von missliebigen Konkurrenten noch Mode."
(red)