Video zeigt Chaos am "Tag X"

Chaos am
Chaos am "Tag X"
1.500 Polizisten, Wasserwerfer, Platzverbot, gesperrte Straßen: Tausende gingen gegen Türkis-Blau auf die Straße. Der "Tag X" im Video und im Ticker zum Nachlesen.
Die Angelobung der neuen Bundesregierung in der Wiener Hofburg am heutigen Montagvormittag wurde von Tausenden Demonstranten begleitet. Gleich neun verschiedene Protestmärsche hatten sich in den Morgenstunden formiert und sind anschließend auf dem Heldenplatz aufmarschiert, um ihrem Widerstand gegen die türkis-blaue Koalition Ausdruck zu verleihen.

U3-Station Herrengasse blockiert

Neben Antifaschisten und linken Gruppierungen gingen bei der #Schulstreik-Demo auch hunderte SchülerInnen auf die Straße. Durch die Demonstrationen mussten zahlreiche oberirdische Öffi-Linien vorübergehend ausgesetzt, umgeleitet oder kurz geführt werden. Einen ersten Zwischenfall gab es am Vormittag in der Herrengasse. Die Wiener Linien fuhren die U3-Station mehrere Stunden lang wegen einer dort stattfindenden Demo nicht an.

Gegen 10 Uhr trafen die diversen Protestmärsche schließlich am Heldenplatz ein, eine Stunde vor der offiziellen Angelobung der neuen Bundesregierung. Hunderte Polizisten waren in Schutzausrüstung hinter Tretschutzgittern in Position gegangen um das Platzverbot im Regierungsviertel durchzusetzen und die eintreffenden Neo-Minister abzuschirmen.

Auch zwei Wasserwerfer der Wiener Polizei waren hinter dem Reiterstandbild Erzherzog Karls Stellung gebracht worden – ihr Einsatz war glücklicherweise nicht nötig.

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Brand auf dem Heldenplatz gelegt

Immer wieder kam es allerdings zu kleineren Tumulten. Einzelne Demoteilnehmer versuchten die Polizeiabsperrung zu durchbrechen und die Exekutivbeamten, die aus ganz Österreich hinzugezogen wurden, wurden mit Orangen, Paradeiser, Bananen und Eiern beworfen. Zwischendurch wurde auf dem Heldenplatz auch ein fruchtiges Feuer gelegt, Unbekannte fackelten am Fuß einer Straßenlaterne einen Haufen Birnen (!) ab. Warum wissen wohl nur die Zündler. Die Flammen wurden umgehend von Polizei und Feuerwehr gelöscht.

Ausschreitungen und Festnahmen

Kurz vor der Angelobung gab es noch ein Pfeifkonzert für den inzwischen eingetroffen und zu dem Zeitpunkt noch amtierenden Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP), als sich dieser bei den befehlshabenden Polizeibeamten über die Lage informierte.

Die Masse der Menschen löste sich nach der feierlichen Angelobung voller kleiner Hoppalas wieder auf, doch auf dem Ring bildeten sich Spontandemo des Schwarzen Blocks und anderer Gruppierungen, die erneut zur Sperre der wichtigen Verkehrsader führte. Vemummte verschanzten sich hinter Anti-Rechts-Transparenten und zündeten Rauchbomben.

Immer wieder musste die Polizei Straßensperren errichten und Demonstranten zurückdrängen. Es wurden mindestens drei Personen nach "aggressivem Verhalten" festgenommen.

"Schleich die, Oide!"

Zwischendurch kam es immer wieder zu skurrilen und Szenen. Als etwa Falter-Kolumnistin Anna Goldenberg wissen wollte, warum denn die Schottenbastei abgesperrt sei, bekam sie von dem Polizisten vor Ort eine durchaus menschliche, wie wenig hilfreiche Antwort: "Des müssn's die Wiener Kollegen fragen. Wir aus Niederösterreich bewachen's nur."



Als allerdings etwa ÖH-Vorsitzende Karin Stanger (GRAS) wissen wollte, ob die Polizei "einen Typen neben ihr mitgenommen" hätten, bekam sie nur eine ruppige Reaktion: "Schleich die, Oide!"



Nach der Angelobung nahm die Teilnehmerzahl der Demonstrationen rapide ab, bis schließlich mehr Polizisten als Regierungsgegner auf dem Ring zugegen waren. Kurz nach 13 Uhr dann der Schock:

Demonstranten drangen ins Parlament ein

Zwei Chaoten hatten es offenbar geschafft durch einen Seiteneingang in das Hohe Haus zu gelangen. Die Polizei setzte sofort zur Verfolgung an und konnte die beiden wieder aus dem Gebäude geleiten. Wie die beiden Demonstranten die massive Holztüre, welche außen keine Klinke hat und normalerweise versperrt ist, überwinden konnten, ist nicht bekannt.

Demonstranten drangen in Parlament ein
Demonstranten drangen in Parlament ein


Das "heute.at"-Team vor Ort konnte den Tumult nach dem Vorfall mitfilmen (siehe Video oben). Auf den Aufnahmen ist zu sehen, wie sich mehrere Polizisten vor der noch offenen Seitentüre des Parlaments postieren.

Gegen 13.30 Uhr war der Spuk schließlich vorbei: Die letzte Demonstration wurde vor der Universität Wien friedlich aufgelöst. Die vorübergehende Ringsperre konnte erneut aufgehoben werden. Auch die Wiener Linien hatten wieder freie Fahrt.

Amtsübergaben an Türkis-Blau

Die neue Bundesregierung hat in der Zwischenzeit begonnen, ihre Amtsgeschäfte zu übernehmen. Innenminister ade, Wolfgang Sobotka (ÖVP), überreichte nach einem langen Monolog seines Nachfolgers, Herbert Kickl (FPÖ), diesem gegen 14.30 Uhr offiziell die Fahne des Innenministeriums. Auch im Verteidigungsministerium war zeitgleich eine feierliche Übergabe des Amts an Mario Kunasek (FPÖ) geplant.



Tabula rasa auf dem offiziellen Instagram-Account des Bundeskanzleramtes. (Bild: Screenshot Instagram)

Währenddessen bemühte man sich im Bundeskanzleramt öffentlich alle Assoziationen mit Amtsvorgänger Christian Kern (SPÖ) zu kappen. Auf dem offiziellen Instagram-Account wurden sämtliche Bilder gelöscht. Inzwischen findet sich darauf nur noch ein Bild des frischgebackenen Bundeskanzlers Sebastian Kurz (ÖVP) während der Angelobung und ein Foto des historischen Gebäudes am Ballhausplatz.

"heute.at" berichtete LIVE von der turbulenten Angelobung und den Demonstrationen auf dem Heldenplatz.

Hier können Sie den gesamten Ticker nachlesen:

(red)

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