Er galt als besonders fleißig, doch hinter seinem Eifer steckte offenbar ein dreistes System. Ein 57-jähriger Ex-Polizist aus dem Bezirk Wiener Neustadt stellte mehr als 1.000 Organmandate innerhalb eines Jahres aus – "Heute" berichtete. Fast so viele wie alle anderen Polizeiinspektionen im Bezirk zusammen.
Wie der "Kurier" berichtet, bestätigte das Oberlandesgericht Wien nun den Schuldspruch gegen den ehemaligen Beamten. Die 2025 ursprünglich verhängte Strafe von zweieinhalb Jahren unbedingter Haft wurde allerdings reduziert: Der Mann erhielt 24 Monate Haft, davon 16 Monate bedingt. Acht Monate muss er damit tatsächlich absitzen.
Die Ermittler konnten dem früheren Polizisten in fast 500 Fällen Manipulationen nachweisen. Seine Masche: Bei Organmandaten soll er keinen Durchschlag angefertigt und später die eingetragene Geldstrafe verändert haben. Ein Teil des kassierten Geldes landete laut Urteil nicht beim Staat, sondern bei ihm selbst.
Dabei galt der Mann bei seinen Kollegen als besonders engagiert. Ein früherer Vorgesetzter bezeichnete ihn laut "Kurier" sogar als "einen der tüchtigsten Verkehrspolizisten, den sich die Republik wünschen kann".
Zeugen zufolge soll der Polizist rund 70 Prozent aller Organmandate im gesamten Bezirk ausgestellt haben, berichtet die Tageszeitung. Dafür soll er sich hinter Hecken und Mauern auf die Lauer gelegt und Schnellfahrer reihenweise abgestraft haben.
Wie viele Fälle es tatsächlich gab, blieb offen. Nur rund ein Drittel der verwendeten Organmandatsblöcke konnte ausgewertet werden. Der Rest wurde nicht mehr im Detail untersucht, "weil die Ermittlungen sonst noch jahrelang gedauert hätten", hieß es laut "Kurier" bei der Staatsanwaltschaft.
Vor Gericht gab der Ex-Polizist die Manipulationen zwar teilweise zu. Dass er Geld für sich selbst eingesteckt habe, bestritt er jedoch. Sein Fehlverhalten erklärte er mit Überforderung und psychischen Problemen. Aufgeflogen war die Sache durch einen Kollegen, dem Unregelmäßigkeiten aufgefallen waren.
Auch finanziell hat das Urteil für den Mann weitreichende Folgen. Eine Verurteilung zu einer mehr als einjährigen Haft hat für Beamte auch automatisch den Amtsverlust zur Folge.
Der einstige Strafzettel-Rekordhalter verlor mit seiner Verurteilung nicht nur seine weiße Weste: Das Urteil von zwei Jahren Haft (davon acht Monate unbedingt) hat für ihn auch den Amtsverlust zur Folge.