Stranzl: "Foda gab Kommandos, Spieler reagierten nicht"

Stranzl: "Der Sündenbock Foda ist mir zu einfach. Du kannst im Nationalteam nicht das Red-Bull-Prinzip spielen." 
Stranzl: "Der Sündenbock Foda ist mir zu einfach. Du kannst im Nationalteam nicht das Red-Bull-Prinzip spielen." GEPA
Die Team-Krise! Fans haben in Teamchef Franco Foda den Sündenbock gefunden. Sky-Experte Martin Stranzl zeigt im "Heute"-Talk mehrere Baustellen auf. 

"Heute": Nach dem Höhenflug bei der EURO ist das Fußball-Nationalteam brutal abgestürzt. Warum?

Martin Stranzl: "Ich denke anders als viele im Land. Die EM sah ich nicht so positiv wie von vielen dargestellt. Drei Spiele waren durchwachsen, gegen Holland hätten wir vier, fünf Stück kriegen können. Nur das Match gegen Italien war gut. Die Probleme im Team haben sich also abgezeichnet. Darum bin ich jetzt auch nicht so enttäuscht. Die Probleme sind jetzt aber gravierend, das Ausmaß hat mich überrascht."

"Der Sündenbock Foda ist mir zu einfach"

Fodas Punkteschnitt im Jahr 2021 liegt bei nur 1,16 Zählern. Zum Vergleich: 2020 machte er 2,375 Zähler im Schnitt. 

"Wir haben 2021 nur Färöer, Nordmazedonien, Ukraine und Moldawien besiegt. Der Sündenbock Foda ist mir aber zu einfach."

Wo liegt das Problem?

"Die Schlüsselspieler sind mit sich selbst beschäftigt. Sie können die eigene Leistung nicht abrufen, sind unzufrieden. Sie wollen, sie zeigen sich. Sie spielen aber alleine, nicht als Team und Kollektiv."

"Das ist nicht der Arnautovic, wie wir ihn kennen, wenn er topfit ist"

Können Sie konkrete Beispiele nennen?

"Nehmen wir Arnautovic. Das ist nicht der Marko, wie wir ihn kennen, wenn er topfit ist. Er war lange verletzt, dann kam der neue Verein samt Umzug von China nach Europa. Jetzt machte er drei Spiele in einer Woche. Was das für seinen Körper bedeutet, ist eine andere Geschichte. Alaba hatte Corona, war in Quarantäne und er wechselte zu Real Madrid. Laimer war verletzt, hatte eigentlich keine Vorbereitung, auch jetzt kaum Spielpraxis. Grillitsch spielt nicht im Klub und hatte lange den Transfer nach Italien im Kopf. Ilsanker ist ein Fighter, bei Frankfurt spielte er aber nur ein paar Minuten. Es gibt viele Baustellen im Team."

Die Foda nicht lösen kann.

"Ich höre oft, der Draht zu den Spielern wäre schlecht. Aber warum sprechen die Führungsspieler Probleme nicht an beim Trainer? Da sind auch die Spieler in der Verantwortung. Man muss dem Teamchef die Möglichkeit geben, Dinge anzupassen. Da verliert keiner sein Gesicht. Gegen die Schotten gab Foda Kommandos, aber die Spieler reagierten nicht darauf.“

"Du kannst im Nationalteam nicht das Red-Bull-Prinzip spielen"

Kommen wir zur Systemfrage: Liegt Foda falsch?

"Was wollen die Spieler spielen? Pressing, Pressing, Pressing. Es stimmt: Wir kommen zu unseren Chancen, wenn Gegner Fehler im Spielaufbau machen und wir da reinstechen – wie zuletzt in Israel. Klar ist aber auch: Du kannst im Nationalteam nicht das Red-Bull-Prinzip spielen. Das ist trainingsintensiv, braucht Zeit. Clevere Trainer und Analysten nützen Schwächen in diesem System geschickt aus. Und dass es keinen Plan unter Foda gibt, stimmt nicht. Die ersten 15 Minuten gegen Schottland waren gut, dann werden aber die Abstände größer, verlassen die Spieler ihre Positionen und geht es bergab. Erschreckt hat mich die Reaktion nach dem 0:1: Die Spieler waren wie gelähmt, da kam nichts."

Es gab keinen Plan B.

"Ich habe vieles vermisst. Die Außenstürmer Baumgartner und Schaub sind so wie die Außenverteidiger zu rasch in die Mitte gerückt. Es fehlte die Breite im Spiel, das Hinterlaufen, die Pässe in die Schnittstelle. Das ist eine Abstimmungssache. Wir haben nicht gut genug über außen gespielt. 20 Meter vor dem Tor flankten wir dann aus dem Halbfeld. Die Probleme sind aber nicht neu, gegen tief stehende Gegner tun wir uns schon lange schwer."

Was muss jetzt passieren?

"Wichtig ist, dass sich Foda hinterfragt – kritisch. Auch wenn die Schuld nicht nur bei ihm liegt. Er muss das Gespräch mit den Spielern suchen. Es muss eine Entwicklung her. Sonst kennen wir die Mechanismen im Fußball. Vakuum hin oder her im ÖFB: Den neuen Teamchef muss für mich nicht der neue ÖFB-Präsident aussuchen. Es gibt dafür einen Sportdirektor und ein sportliches Gremium.“

Zur Person: Martin Stranzl (41) ist Sky-Experte. Er spielte in Deutschland für 1860 München, Stuttgart und Mönchengladbach. In der Saison 2014/15 war er für die "Fohlen" zweikampfstärkster Spieler der Bundesliga, er lief zudem mehrmals als Kapitän auf. Unterbrochen wurde die Zeit in Deutschland von einem Engagement bei Spartak Moskau. Von 2000 bis 2009 machte Stranzl 56 Länderspiele und schoss drei Tore. 

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