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Strenggläubige Gemeinschaft – das sind Zeugen Jehovas

Die Zeugen Jehovas haben sich "tief betroffen von der schrecklichen Amoktat" geäußert. Die Religionsgemeinschaft hat über acht Millionen Mitglieder.

20 Minuten
2009 fand der internationale Kongress der Zeugen Jehovas in Wien statt. Im Bild: Eine Massentaufe im Wiener Ernst-Happel-Stadion.
2009 fand der internationale Kongress der Zeugen Jehovas in Wien statt. Im Bild: Eine Massentaufe im Wiener Ernst-Happel-Stadion.
Georg Hochmuth / APA / picturedesk.com

Die vom Amoklauf in Hamburg betroffenen Zeugen Jehovas sind eine christliche Gemeinschaft mit eigener Bibel-Auslegung. Die Anhänger glauben an Jehova als "allmächtigen Gott und Schöpfer" und sollen sich strengen Vorschriften unterwerfen. Sie sind davon überzeugt, dass eine neue Welt bevorsteht und sie als auserwählte Gemeinde gerettet werden. Weltweit haben die Zeugen Jehovas etwa acht Millionen Mitglieder. Die "Weltzentrale" ist in New York. In Österreich gibt es über 20.000 Mitglieder.

Die sektenartige Gemeinschaft ist in der Vergangenheit immer wieder in die Kritik geraten. Sie ist für ihr ausgeprägtes Missionieren und das Verteilen der Zeitschriften "Der Wachtturm" und "Erwachet!" bekannt. Ihre Mitglieder lehnen Bluttransfusionen ab. Die Mitglieder treffen sich zweimal wöchentlich zu Zusammenkünften – so auch am Donnerstagabend, als die tödlichen Schüsse in Hamburg fielen.

Keine Feier- und Festtage

Feier- und Festtage lehnt die Glaubensgemeinschaft ebenso ab. Sie betrachten Feste wie Weihnachten oder Ostern als "Götzendienst". Diese Feste seien auf heidnische Wurzeln zurückzuführen. Ihre einzige religiöse Feier ist das Abendmahl. Dort wird dem Tod Christi gedacht. Die Zeugen Jehovas dulden den Staat, trotzdem verweigern sie aber gewisse Pflichten – so zum Beispiel den Militärdienst.

"Wir gingen von Haus zu Haus und haben jede Klingel gedrückt. Ich habe mich jedes Mal so unwohl gefühlt. Ich hatte Panik davor, einen Freund anzutreffen", sagte ein Ausgetretener 2019 zu "20 Minuten". Auch die Rolle der Frau ist in der Glaubensgemeinschaft streng geregelt. "Es herrscht ein extrem patriarchales System. Frauen sind bei ihnen nur dazu da, die Toiletten im Königreichsaal zu putzen, die Hausarbeit zu erledigen und die sexuellen Bedürfnisse der Männer zu befriedigen."

Schwieriger Ausstieg

Personen, die aus der Glaubensgemeinschaft austreten, werden geächtet. Das ganze soziale Umfeld bricht weg. "Wenn du die Sekte verlässt, verlierst du deine Familie und deine Freunde. Deshalb ist es wichtig, sich schon vor dem Ausstieg ein soziales Netzwerk außerhalb der Sekte aufzubauen. Sonst fällt man in ein tiefes Loch", sagt der Aussteiger zu "20 Minuten".

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    Gegen 21 Uhr kam es am 9. März 2023 zu einem <a target="_blank" data-li-document-ref="100259583" href="https://www.heute.at/g/amoklauf-in-hamburg-mit-mehreren-toten-100259583">Amoklauf mitten in Hamburg</a>.
    Gegen 21 Uhr kam es am 9. März 2023 zu einem Amoklauf mitten in Hamburg.
    Jonas Walzberg / dpa / picturedesk.com
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