Vizekanzler Michael Spindelegger traf im Wahlduell auf Frank Stronach. Dabei gab sich der gebürtige Steirer staatsmännisch und überraschend zurückhaltend, der ÖVP-Chef angriffslustig.
Vizekanzler Michael Spindelegger traf im Wahlduell auf Frank Stronach. Dabei gab sich der gebürtige Steirer staatsmännisch und überraschend zurückhaltend, der ÖVP-Chef angriffslustig.
Der Unternehmer ist von Anfang an konzentriert und voll bei der Sache, hört zu und unterbricht nicht. Außer einmal, als es um außenpolitische Belange geht, beantwortet der Steirer die von Moderatiron Ingrid Thurnher gerichteten Fragen, ohne abzuschweifen.
Von Anfang an versucht Spindelegger, der durch seine tonale Lautstärke punkten will, seinen Kontrahenten aus der Reserve zu locken, stellt ihn als Auswanderer und österreichischen Außenseiter dar und weist immer wieder auf dessen kanadischen Lebensmittelpunkt hin: "Man kann Österreich nicht nur aus dem Flugzeug betrachten." Doch Stronach bleibt gelassen, betont, dass er aus einer österreichischen Arbeiterfamilie kommt und er Österreicher ist. Hier kann er es sich nicht verkneifen, dem Publikum erneut vorzubeten, wieviel Geld er im Land investiert und wieviele Arbeitsplätze er geschaffen hat.
Schulden, Firmengründungen & Bürokratie
Beim Thema Firmengründungen und Bürokratie geraten die beiden sich in die Haare: Stronach zieht ein Taferl hervor, in dem er aufzeigt, wie sich die Schulden vervielfacht haben unter der ÖVP-Regierungsbeteiligung seit 27 Jahren und die Zinsen für die Schulden stündlich steigen. Außerdem wirft Stronach dem Vizekanzler vor, wie kompliziert es ist, in Österreich eine Firma zu gründen: "Da kann einem schwindlig werden". Und: "Kein Wunder, dass es in Österreich nicht funktioniert". Weder Blumenverkäufer, noch Tischler brauchen Regeln. Der Markt regle sich von selbst. Spindelegger ist der Meinung, dass eben "nicht jeder Tischler werden kann", und es klare Regeln braucht, um Konzessionen für Berufe zu vergeben.
Privatisierung
Beim Thema Privatisierung - Thurnher erinnert Stronach daran, dass er die ÖBB kaufen wollte - nähern sich die beiden Kontrahenten an. Stronach meint, "dass die ÖBB Milliarden über Milliarden verbraucht", und, dass diese erst einmal analysiert gehöre - bevor man investiere. Allerdings hat die ÖBB keine Transparenz und wäre "bloß ein Abstellgleis der SPÖ in Wien". Erst wenn Transparenz da ist, könne etwas gemacht werden. Denn sonst wäre es bloß Freunderlwirtschaft und Korruption.
Beide Parteichefs sind der Meinung, dass Allgemeingüter, wie etwa Energie oder Wasser, bei den Bürgern bleiben und nicht verstaatlicht werden sollten.
Jedes Land eigenen Euro - Schnappsidee
Unterschiedliche Meinungen gibt es beim Thema Euro: Wieder einmal versucht Stronach zu erklären, dass Österreich seinen eigenen Euro braucht. Für Spindelegger ist Stronachs Konzept eine "Schnapsidee". Als Thurnher ein Zitat von vor einem Jahr einblendet, in dem Stronach von der Rückkehr zum Schilling spricht, kann der Unternehmer nicht schlüssig erklären, wie sein Währungsmodell konkret aussehen soll.
Stronach strauchelt bei außenpolitischen Fragen
Bei außenpolitischen Fragen scheint Stronach nicht besonders sattelfest zu sein: Auf die Frage, ob sich Österreich trotz seiner Neutralität der NATO anschließen soll,, meint der Magna-Gründer, dass Österreich laut schreien würde, sollten die Chinesen das Land angreifen. Eines sagt er mit Bestimmtheit: In Syrien, wo Giftgase zum Einsatz kommen, ist ein militärischer Angriff gerechtfertigt.
Schließlich würde man heute Hitler auch nicht zusehen, wenn er Menschen vergast. Spindelegger betont, dass ohne UNO-Mandat ein Angriff seiner Meinung nach nicht gerechtfertigt sei. Als Thurnher Stronach über seine Meinung zu Spindeleggers Integrität als Außenminister ausfragen will, lenkt dieser ab und spricht über Bildung und den Skandal, dass Schuldirektoren ihre Lehrer nicht selbt aussuchen dürfen.
Fazit: Ein relativ ausgewogenes, überraschend sachliches Duell.
Lesen Sie auf der nächsten Seite den Live-Ticker nach