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Studenten fallen wegen KI-Vorwurf reihenweise durch

Immer häufiger wird Studenten und Schülern die unerlaubte Nutzung von KI vorgeworfen – auch wenn der Vorwurf unbegründet ist.

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Da ChatGPT ein beliebtes Tool für Studentinnen und Studenten ist, werden die Kontrollen seitens der Schulen und Unis verschärft.
Da ChatGPT ein beliebtes Tool für Studentinnen und Studenten ist, werden die Kontrollen seitens der Schulen und Unis verschärft.
Getty Images/iStockphoto

"Mein Dozent ließ mich durchfallen, weil er meinte, ich hätte meinen Bericht mithilfe von KI geschrieben", meldet ein User auf der Social-Media-Plattform Reddit zum Thema ChatGPT. Er ist nicht der einzige, der von solchen Erlebnissen berichtet. An der Texas A&M University ließ ein Dozent seine ganze Klasse durchfallen. Auch er glaubte, alle hätten KI genutzt. In der Schweiz führte ein Verdacht von unerlaubter Verwendung von ChatGPT an der ZHAW zu einem Disziplinarverfahren.

Solche Fälle häufen sich und sind für Universitäten, Fachhochschulen und deren Dozenten ein verzwicktes Thema. Es ist bisher nahezu unmöglich, einen Text verlässlich auf KI zu testen. Herkömmliche Methoden sind nicht zuverlässig und können zu falschen Anschuldigungen führen. Studentinnen und Studenten haben dagegen verschiedene Möglichkeiten, ihre Unschuld zu beweisen. Wir zeigen dir fünf Tipps, wie du dich vor KI-Vorwürfen schützt.

Nutze den Versionsverlauf

Ob Word oder Online-Textprogramme: Viele bieten einen sogenannten Versionsverlauf, auf den du zugreifen kannst. Dort wird deine Arbeit über alle Tage oder Wochen dokumentiert und liefert das wohl wichtigste Beweisstück deines KI-freien Arbeitsprozesses. Den Versionsverlauf findest du folgendermaßen:

- Word: Klicke im Word-Dokument auf den Titel deiner Datei oben und wähle im Drop-Down-Menü "Versionsverlauf" aus. So findest du alle deine Versionen nach Datum geordnet. Achtung: Die Word-Datei muss in der OneDrive-Cloud gespeichert sein.
- Google Docs: In Google Docs findest du den Versionsverlauf unter Datei → Versionsverlauf oder über den Button mit der vom Pfeil umrundeten Uhr ganz oben rechts auf der Seite. Auch dort ist alles nach Datum dokumentiert.

Solltest du keine dieser beiden Textprogramme verwenden, wäre ein Umstieg in solchen Fällen lohnenswert.

Prüfe deinen Browserverlauf

Ob Google Chrome, Firefox oder Microsoft Edge: Jeder Browser dokumentiert deinen Verlauf. Mit diesem kannst du deinen Rechercheprozess zeigen, deine für die Arbeit wichtigen Keywords, die du in Suchmaschinen verwendet hast und alternative Quellen, die du als Inspiration oder Hilfe aufgerufen hast. Retrospektiv ist es natürlich aufwendiger, an mehreren Daten, an denen du gearbeitet hast, den exakten Browserverlauf zu finden.

Halte eine offene Kommunikation mit Dozenten

Communication is key: Wenn du offen über deine Arbeit und potenzielle Anschuldigungen sprichst, kannst du bereits viel erreichen. Eine höfliche und versöhnliche Diskussion mit deinem Dozenten kann Unklarheiten und Missverständnisse auflösen. "Eine Eskalation führt nur dazu, dass beide Parteien in die Defensive geraten, besonders wenn es um noch neue und komplexe Themen wie KI geht", sagt Christian Moriarty, Professor für Wirtschaftsethik in Florida der "Washington Post" zum Thema KI-Vorwürfen im Studium.

    So lautet das Beispiel für Hans Muster, der sich bei der Migros bewerben will. Zuerst die persönlichen Infos und Berufserfahrungen …
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    OpenAI/RCA

    Kopiere keine Abschnitte aus dem Internet

    Die bisherigen KI-Detektoren sind ungenau. Wenn du jedoch aus verschiedenen Quellen ganze Sätze und Abschnitte kopierst, schlagen – wie auch die Plagiatsdetektoren – die KI-Erkennungsprogramme aus. Da Chatbots grob gesagt mit dem Internet gefüttert wurden, erkennen sie Geschriebenes von Webseiten potenziell als Eigenproduziertes. Insbesondere wenn Lehrer oder Dozenten Chatbots verwenden, um geschriebene Arbeiten auf KI zu überprüfen. Paraphrasiere und zitiere deine Quellen also entsprechend den Anforderungen deiner Uni oder Schule, falls vorhanden.

    Dokumentiere deinen Arbeitsverlauf

    Alle oben genannten Schritte können auch präventiv genutzt werden. Wenn du weisst, dass KI bei deiner aktuellen Arbeit explizit verboten ist und dein Dozent oder Lehrer Kontrollen durchführen wird, macht es Sinn, deinen Browser- und Versionsverlauf bereits im Vorhinein zu dokumentieren. Zusätzlich kannst du alle deine Quellen notieren (falls nicht sowieso schon gemacht) und Material sammeln, das du für deine Arbeit gebraucht hast, wie zum Beispiel Bücher, Artikel oder Notizen. Den gesamten Arbeitsablauf kannst du auch in einer Timeline chronologisch dokumentieren.