Nach dem Lockdown im Frühjahr gibt es nun eine erste Studie über seine tödlichen Folgen. Ärzte des Klinikums Hochrhein in Waldshut-Tiengen (Deutschland) haben dafür Todesfälle in ihrem Landkreis analysiert. Der Untersuchung zufolge starben im Landkreis Waldshut im April in den Jahren 2016 bis 2019 im Durchschnitt etwa 165 Menschen. Im April dagegen gab es 227 Tote.
Damit gab es also eine Übersterblichkeit von 37 Prozent. Von den 62 zusätzlichen Todesfällen lassen sich nur 34 mit dem Coronavirus in Verbindung bringen. Die anderen 28 Personen starben also nicht an dem Virus. Covid-19 war also nur für 55 Prozent der Übersterblichkeit verantwortlich.
"Wir haben auch eine Übersterblichkeit, die nicht auf Corona-Erkrankungen zurückzuführen ist", erklärt Intensivmediziner Dr. Stefan Kortüm gegenüber der "Bild". Die Mediziner der Studie gehen davon aus, dass Menschen starben, weil sie wohl aus Angst vor einer Corona-Ansteckung nicht zum Arzt gegangen sind.
"Insbesondere Menschen mit akuten Verschlechterungen chronischer Krankheiten, etwa Lungen- oder Herzkrankheiten, aber auch Tumor-Erkrankungen, haben in diesem Zeitraum keine medizinische Hilfe gesucht", so Kortüm weiter. Zudem könnten auch die Kontaktbeschränkungen ein Grund für die Übersterblichkeit sein.
Weil ältere Menschen keinen Besuch bekamen, wurden Verschlechterungen ihrer Krankheiten möglicherweise nicht bemerkt. "Oft sind es nämlich die Jüngeren, die bei ihren Eltern und Großeltern dafür sorgen, dass sie sich in Behandlung begeben", sagt der Intensivmediziner gegenüber der "Bild" weiter. Dies sei im Lockdown aber eben nicht der Fall gewesen.
Kortüm stellt aber auch klar: "Wir wissen nicht, wie hoch die Sterblichkeit ohne Lockdown gewesen wäre. Man kann also nicht sagen, dass der Lockdown mehr Leben gekostet als er gerettet hat."