Hälfte der Afghanen Wiens wünscht sich Gottesstaat

Eine neue Studie der Forschungsinstitute think.difference und SORA unter muslimischen Jugendlichen zeigt, dass die Hälfte der Afghanen die Regeln des Islam über die Gesetze Österreichs stellen.
Eine neue Studie der Forschungsinstitute think.difference und SORA unter muslimischen Jugendlichen zeigt, dass die Hälfte der Afghanen die Regeln des Islam über die Gesetze Österreichs stellen.Bild: iStock
Eine neue Studie unter mehr als 700 muslimischen Jugendlichen in Wien zeigt, dass die Hälfte der Afghanen die Regeln des Islams über die Gesetze Österreichs stellt.
Eine neue Studie des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) unter mehr als 700 jungen Muslimen in Wien zeigt, dass diese zwar unsere Demokratie schätzen, sich jedoch durchaus einen religiösen Führer an der Spitze des Staates wünschen würden.

Auch stehen für mehr als die Hälfte der befragten Afghanen die islamischen Regeln über den österreichischen Gesetzen.

Religion spielt immer stärkere Rolle



CommentCreated with Sketch.77 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Überhaupt spielt Religion im Leben von jungen Muslimen eine große Rolle. Die stärkste Orientierung am Islam weisen Jugendliche aus Afghanistan (72%) sowie aus Syrien und Tschetschenien (je 69%) aus. Vor allem tschetschenische Jugendliche geben an, in den letzten drei Jahren religiöser geworden zu sein.

Je stärker der Islam, desto schwächer die Demokratie



Zum Verhältnis von Religion und Staat befragt, geben mehr als die Hälfte (55%) der afghanischen Jugendlichen an, dass Vorschriften des Islams über den Gesetzen Österreichs stehen, knapp die Hälfte (47%) will einen religiösen Gelehrten an der Spitze des Staates sehen. Wenn Religion eine übergeordnete Rolle spielt, ist auch die Einstellung zu Demokratie negativer. Mit zunehmender Aufenthaltsdauer sinken jedoch antidemokratische und abwertende Grundhaltungen.

Unter dem Titel "Junge Menschen mit muslimischer Prägung in Wien. Zugehörigkeiten, Einstellungen und Abwertungen" wurden Jugendliche mit afghanischem, syrischem, tschetschenischem, kurdischem, türkischem und bosnischem Migrationshintergrund sowie ohne Migrationshintergrund in Wien befragt. Ziel war es, Erkenntnisse über Identifikation, demokratische Grundhaltungen sowie abwertende und gewaltlegitimierende Einstellungen bei Jugendlichen zu gewinnen.

Gewalt und Antisemitismus weit verbreitet



Afghanische Jugendliche geben am häufigsten an, Gewalt innerhalb der eigenen Familie erlebt zu haben (43 %). Zustimmung zu Respekt vor Ordnung und Gesetzen liegt bei allen Gruppen bei mehr als 80 bis 100 Prozent. Unter Jugendlichen aus Tschetschenien ist der Wert mit 84 Prozent am geringsten. Ein Großteil der befragten jungen Menschen lehnt Gewalt ab. Eine Ausnahme bildet auch hier die Gruppe der Afghanen: Etwas mehr als die Hälfte der befragten Jugendlichen aus Afghanistan erachten Gewalt als legitimes Mittel zur Herstellung von Ehre und Respekt in Hinblick auf die eigene Person oder Religion.

Die Hälfte der jungen Afghanen und Syrer sowie vier von zehn Jugendlichen mit tschetschenischem oder türkischem Migrationshintergrund lehnen Homosexualität ab. Religiös konnotierter Antisemitismus in der Form, dass Israel als Feind der Muslimen gesehen wird, zeigt sich bei zwei Dritteln der Afghanen, vier von zehn syrischen und türkischen Jugendlichen sowie jedem dritten Jugendlichen mit tschetschenischem und bosnischem Migrationshintergrund.

Verhältnis von Mann und Frau in traditionellen Rollenbildern



Das Verhältnis von Mann und Frau wird vielfach in traditionellen Rollenbildern gesehen: Drei Viertel der Jugendlichen aus Afghanistan finden, dass der Mann für alle größeren Entscheidungen zuständig sein sollte. 76 Prozent der bosnischen und 61 Prozent der türkischen Jugendlichen findet es außerdem peinlich, wenn der Mann weniger Geld verdient als die Frau. Unter den befragten Jugendlichen ohne Migrationshintergrund sind Abwertungen gegenüber Muslimen am häufigsten verbreitet.

ÖVP und FPÖ kritisieren Integrationspolitik



"Bei diesen Zahlen helfen weder Schönreden noch Ausflüchte: die Integrationspolitik von Rot-Grün muss als völlig gescheitert bezeichnet werden", kommentiert ÖVP Wien-Integrationssprecherin Caroline Hungerländer die Studie und fordert eine Überarbeitung des Integrationskonzepts der Stadtregierung. Während auf Bundesebene Werte- und Orientierungskurse laut Integrationsgesetz verpflichtend absolviert werden müssen, hänge man in Wien immer noch der verfehlten Willkommenskultur nach.

"Diese Ergebnisse sind schockierend und zeigen, dass wir in den letzten Jahren die falschen Menschen zu uns ins Land gelassen haben", poltert FPÖ-Chef Norbert Hofer in einer Aussendung. "Die Sitten und Regeln des islamischen Lebens sind mit jenen in Österreich nicht kompatibel. Wer bei uns lebt, muss seine Verhaltensweisen ändern und die hier geltenden Regeln und Gesetze einhalten", so Hofer, der einmal mehr auch forderte, dass Transferleistungen für Ausländer gekürzt werden sollen, die sich nicht integrieren wollen.



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