Psychopathen können Abstand schwer einschätzen

Menschen mit psychopathischen Persönlichkeitsanteilen haben Probleme mit dem Einhalten von sozialer Distanz, wie eine deutsche Studie zeigt.

Antisoziale Tendenzen äußern sich in Verhaltensweisen, die von der Norm und Regeln gesellschaftlichem Miteinanders abweichen. Viele dieser Handlungsmuster beruhen auf unserem instinktiven oder intuitiven Verhalten. Personen mit psychopathischen oder antisozialen Persönlichkeitsstrukturen haben genau in diesen Punkten häufig Probleme, da für sie das, was für die meisten von uns ein natürlicher Prozess ist, erlernen müssen, um nicht aufzufallen.

In Zeiten der Coronakrise hat dieses Lernvermögen (und der Wille zur Lernbereitschaft) noch einen wesentlichen Wert: Um soziale Distanz einhalten zu können, muss man diese erst einschätzen können. Hier zeigt sich bei psychopatischen Personen ein offensichtlicher Mangel, wie eine Studie aus Deutschland zeigt.

Abstand bleibt unverändert

Forscher der Universität Meinz haben untersucht, wie sich die Verhaltensweisen von neurotypischen Personen unterscheiden, indem sie einen 3D-Avatar als Begegnungszone generierten. Menschen mit psychopathischen Zügen passten ihren Abstand nicht am Gefühlsausdruck des Gegenübers an. Diese Methode des Erkennens eines Wohlfühlabstandes fällt in die Kategorie der instinktiven Gefahren- und Konfliktvermeidung. Wie über Psychopathen bekannt ist, ist ihr Angstzentrum nicht vorhanden, was sie risikobereiter macht. Deswegen fehlt es ihnen am Empfinden und dem Einschätzungsvermögen solcher Distanzen.

Im Gegensatz zu Menschen ohne psychopathische Tendenzen zeigen Psychopathen weniger oft Vermeidungsreaktionen, auch wenn sie den Gefühlsausdruck der anderen Person richtig interpretieren können.

Ingesamt 76 Probanden nahmen im virtuellen Versuchslabor am Test teil. Menschen ohne psychopathsiche Tendenzen wählten ihren Abstand abhängig vom Gesichtsausdruck des Avatars. War dieser freundlich, hielten sie nur einen Meter Abstand, war er wütend, hielten sie 1,25 Meter Abstand. Menschen mit psychopathischen Merkmalen hielten stets den gleichen Abstand ein. Mittels eines Fragebogens wurden diese im Vorhinein ermittelt. Dazu gehören Faktoren wie selbstzentrierte Impulsivität und furchtlose Dominanz. Psychopathen missachten häufig soziale Normen. Die Studie illustriert nun, dass die situationsgemessene Regulation der Distanz beeinträchtigt ist. Oder kurz gesagt: Ein Wohlfühlabstand ist Psychpathen egal.

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