Stundenlanger Total-Ausfall lässt die Nutzer grübeln

Nichts ging mehr am Montag bei den Facebook-Diensten. Die Folgen für Influencer, Firmen und den Facebook-Konzern sind weitreichend. Eine Analyse.

Der stundenlange Totalausfall von Facebook, Instagram und WhatsApp am Montagabend hat weitreichende Folgen. Milliarden Nutzerinnen und Nutzer waren betroffen. Die Facebook-Aktie sackte nach der Mega-Störung zeitweise um 5 Prozent ab, das Vermögen von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg schmolz um 6 Milliarden Dollar.

Die genervten Nutzerinnen und Nutzer wechselten scharenweise zu anderen Messengerdiensten. Die Downloadzahlen von Telegram und Signal schossen am Montagabend in die Höhe. Der Schweizer Anbieter Threema registrierte zehnmal so viele neue Nutzerinnen und Nutzer pro Stunde wie üblich, wie eine Sprecherin sagt. Zwanzigmal so viele Nachrichten gingen raus – mehr als an Silvester oder bei einer Fußball-Meisterschaft.

Threema foppt Facebook

Mit einem Seitenhieb auf Facebooks Datensammelwut ergänzt die Sprecherin: "Da wir keine Daten sammeln und weiterverarbeiten, konnten unsere Server den Ansturm problemlos bewältigen." Threema betreibe die eigene Hardware an mehreren Standorten in der Schweiz und habe dadurch eine erheblich weniger komplexe Infrastruktur als die Mitbewerberinnen und Mitbewerber. Auch auf Twitter foppt der Schweizer Anbieter die Konkurrenz.

Neben Nutzerinnen und Nutzer traf der Ausfall auch die Unternehmen. Denn die Dienste vom Facebook-Konzern sind auch für zahlreiche Menschen beruflich von Bedeutung. Außerdem nutzen zahlreiche andere Websites den Login über Facebook-Konten.

Betroffen waren auch die Unternehmen, die in den sozialen Medien Werbung schalten. "Facebook ist eine der größten Werbeplattformen überhaupt. Unternehmen können es sich nicht leisten, darauf zu verzichten", sagt Thomas Hutter, CEO und Gründer der gleichnamigen Beratungsfirma Hutter Consult.

Vertrauen verspielt

Wenn dieses so wichtige Vehikel für Werbebotschaften über Stunden inaktiv ist, dann entfallen je nach Business hohe Umsätze. "Zalando oder Wish machen einen großen Teil ihres Geschäfts über soziale Medien. Sie haben ein hohes Werbebudget für Facebook und versprechen sich davon zehnmal höhere Umsätze", sagt Hutter. Doch am Montagabend lief dann gar nichts mehr. Zalando war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Nun machen sich wohl einige Werbeauftraggeber und -Auftraggeberinnen Gedanken über ihre Abhängigkeit vom Facebook-Konzern, sagt Dominic Stöcklin, Social-Media- und Content-Marketing-Studiengangsleiter an der HWZ. "Vertrauensfördernd ist der Ausfall sicher nicht", so Stöcklin.

So heißt es bei Rivella etwa, dass der Ausfall zwar wegen derzeit nur kleinerer Kampagnen keinen nennenswerten Einfluss habe, man hoffe aber, dass sich solche Ausfälle nicht wiederholen. Bei Coop verweist eine Sprecherin darauf, wie wichtig der breit gefächerte Medien-Mix mit verschiedenen Kommunikationskanälen wie etwa der Coop-Zeitung sei.

"Die Abhängigkeit von Social Media hat sich einmal mehr gezeigt"

Auch die Influencerinnen und Influencer dürften sich ihre Gedanken machen, für sie sind die Plattformen oft die einzige Möglichkeit, um ihre Follower zu erreichen. "Die Abhängigkeit und das Klumpenrisiko von Social Media hat sich einmal mehr gezeigt. Wenn die Server nicht mehr funktionieren oder eine fehlerhafte Einstellung nicht bemerkt wird , ist man nicht mehr sichtbar", sagt Marketing Experte Felix Murbach.

Im Worst Case - etwa bei einem Cyberangriff - könnten die Plattformen noch länger ausfallen. Deshalb seien auch andere Plattformen wichtig, die es zu pflegen gelte. "Als Influencer kommt man deshalb nicht um eine gute alte Webseite herum, um noch Kontakt zu den Followern und Followerinnen zu haben", sagt Murbach.

Die Influencerin Sara Rodrigues Pinto verweist auf die Paris Fashion Week, die bis Dienstag dauerte. Bei solchen Events sei ein Ausfall vor allem problematisch bei Live-Streams. Denn es gehe die Wirkung verloren, wenn solche Inhalte erst nachträglich hochgeladen werden.

"Ich konnte die Zeit genießen"

Für Ex-Bachelor und Influencer Janosch Nietlispach war der Totalausfall von Facebook und Instagram "nicht so schlimm", wie er sagt. Er habe an diesem Abend keine Termine für Posts als Werbebotschafter für Unternehmen gehabt und habe so "das Handy auf die Seite gelegt und die Zeit genießen können". Auf Instagram postete er dazu ein Bild von seiner Freundin.

Influencer Janosch Nietlispach genoss den Montagabend mit seiner Freundin.
Influencer Janosch Nietlispach genoss den Montagabend mit seiner Freundin.Instagram/@janoschnietlispach

Hätte er aber einen Termin für einen Post gehabt, dann hätten die Werbepartnerinnen und Werbepartner Verständnis für die Situation gezeigt, so Nietlispach. Würde sich ein Ausfall aber über Tage oder Wochen hinziehen, gäbe es wirtschaftliche Folgen. "Dann könnten Werbepartnerinnen und Werbepartner ihre Aufträge für Posts eventuell komplett zurückziehen."

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