Die Diagnose war brutal: Kreuzband, Innenband, Außenmeniskus, Patellasehne – alles war vom schweren Sturz in das Fangnetz betroffen. Der Helikopter musste in Wengen anrücken, um Marco Kohler ins Spital zu bringen.
Das passierte 2020: Der 22-Jährige Kohler war als Vorläufer kurz vor dem Ziel zu Sturz gekommen. Sein Weg zurück ist hart. Viele Tiefschläge muss er über sich ergehen lassen, doch im letzten Jahr brillierte Kohler dann im Europacup, ergattert sich so einen Fixplatz im Weltcup.
Der Druck wird weniger, erklärt Kohler jetzt im Gespräch mit "20 Minuten". "Ich will meine beste Leistung zeigen, egal, ob Fixplatz oder nicht."
Seine beste Leistung zeigte der mittlerweile 26-Jährige in diesem Jahr schon mehrfach. Achter wurde er in Gröden, Zehnter und 13. in Bormio – und das mit hohen Startnummern. Nun also die Rückkehr nach Wengen.
Doch wie schafft es Kohler überhaupt, den Sturz wieder zu vergessen? Schließlich sagte er zu Beginn der Saison, dass Wengen wohl sein Saisonhöhepunkt sein werde. Es ist viel Zeit vergangen, erklärt das Ski-Ass.
Er habe viel im mentalen Bereich gearbeitet. Genauer gesagt: "Ich habe das Video der Fahrt angeschaut und in meinen Gedanken bin ich dann normal weitergefahren. So habe ich ein schlechtes Erlebnis mit guten Erinnerungen überspielt."
Am Donnerstag wird es für den Jugendfreund von Marco Odermatt nun ernst. Ob er sich noch Tipps vom Saison-Dominator holt? Durchaus möglich. Kohler: "Wir sind Jugendfreunde, sind den gleichen Weg gegangen. Wurden gemeinsam erwachsen, haben eine große Verbindung." Er freue sich, dass sich die Wege nun wieder kreuzen, fügt aber auch selbstbewusst hinzu: "Wir sind ja jetzt auch Konkurrenten."