Die Volksanwaltschaft gab am Donnerstag bekannt, dass sie keine Schuld am Tod des 11-Jährigen bei den Behörden sieht. Die Grünen antworten mit einem offenen Brief.
Im November kam in einem Asylheim in Baden ein 11-Jähriger auf tragische Weise ums Leben. Der Flüchtlingsbub nahm sich selbst das Leben in dem er sich erhängte. Vorwürfe gegen die Behörde wurde laut, weil sie die Gefahr nicht vorab erkannt hatte – "Heute" berichtete.
Die Volksanwaltschaft prüfte daraufhin die Sache und kam jetzt zu dem Schluss, dass die Behörden keine Schuld trifft. Die vorgelegten Akten des Landes Niederösterreich würden keine Hinweise auf vorangegangene Suizid-Andeutungen des Kindes enthalten.
Volksanwalt Günther Kräuter kritisierte jedoch zwei Umstände: "Einerseits erscheint die Anfang 2016 erfolgte gerichtliche Übertragung der Obsorge von sechs Kindern an einen 23-jährigen Bruder äußerst bedenklich. Andererseits hätte der Kinder- und Jugendhilfeträger zum Schutz des neunjährigen Bruders mit Down Syndrom aufgrund mehrerer Gefährdungshinweise einschreiten müssen. Die offensichtliche Überforderung des 23-Jährigen mit den sechs Kindern hätte zu einer gesonderten Betreuung und Unterbringung des Kindes mit Behinderung führen müssen."
Scharfe Kritik von Krismer
Für NÖ Grünen Chefin Helga Krismer macht es sich der Volksanwalt hierbei allerdings zu einfach. "Richtig kann sein, dass der lebensfrohe 'Checker' keine suizidalen Anzeichen hatte. Wenn er sie vielleicht doch hatte, hat sie niemand gesehen. Es war ja niemand da, der eine echte Obsorge für das Kind hatte", kritisiert sie in einem offenen Brief.
Krismer, die auch Vizebürgermeisterin von Baden ist, ärgert vor allem, dass niemand am Tod die Schuld haben soll: "Ich bin ich traurig, dass auch der Volksanwalt nicht sehen will, dass Kinderrechte und damit Menschenrechte nicht eingehalten wurden. Und jene, die darauf hingewiesen haben, bei Gericht und Behörde nicht ernst genommen wurden. Heute haben wir ein totes Kind in Baden. Und niemand ist schuldig."
(min)