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Süße Getränke als "Treibstoff für Tumore"

Sie haben einen schlechten Ruf als Dickmacher. Nun weisen US-Forscher auf ein weiteres erhebliches Gesundheitsrisiko hin.
Heute Redaktion
13.09.2021, 17:50

In einer Studie am Weill Cornell Medical College in den USA haben Wissenschaftler die Beobachtung gemacht, dass süße Getränke in Verdacht stehen zu einem fortschreitenden Darmkrebsbeizutragen. Schuld daran sei das enthaltene Maissirup.



Vergleichswerte am Menschen fehlen


Die Forscher führten Experimente mit Labormäusen durch, denen sie täglich die umgerechnete Menge einer 0,3 Liter Dose Limonade verabreichten. Die Folge war, dass das Wachstum von Polypen, die sich bereits im Darm der Mäuse vorfanden, beschleunigt wurde. Diese entwickelten sich weit häufig zu Vorstufen von Darmkrebs weiter als bei Mäusen, die mit Wasser versorgt wurden. „Es zeigte sich allerdings nicht, dass sich die Polypen vermehrten. Man muss also schon Polypen haben," so Studienautor und Molekularbiologe Lewis Cantley.

Maissirup als Ursache

Die Forscher sehen im industriell hergestellten Maissirup die Ursache für die verheerenden Entwicklungen. Dieser wird vor allem in den USA als Billig-Zucker in Limonaden, Müsliriegeln und Fertiggerichten verwendet. Problematisch sehen sie den hohen Zuckeranteil des Sirups. Fruktose löst Prozesse aus, die die Krebszellen als Wachstumsenergie verwenden können. Die Produktion von Fettzellen sei ein „Treibstoff für den Darmtumor", so der Forscher. In ihrer nächsten Studie werden sie die Effekte am Menschen untersuchen.

In Europa wird Haushaltszucker verwendet



In Europa wird Zucker aus Zuckerrohr und -rüben gewonnen. Es gibt zwar auch Produkte mit Maissirup, jedoch ist Saccharose (Haushaltszucker) wesentlich häufiger in Nahrungsmitteln zu finden. Die Studienautoren glauben, dass dieser das Wachstum von Krebszellen ähnlich beschleunigen könnte, weil er sich aus einem ähnlichen Verhältnis zusammensetzt. Maissirup besteht zu 45 Prozent aus Glokose und zu 55 Prozent aus Fruktose. Bei Haushaltszucker ist es ein 50 zu 50-Verhältnis.

In Österreich ist die Sterblichkeit an Darmkrebs gesunken

Die US-Wissenschaftler empfehlen bei einer Anfälligkeit für Darmpolypen auf Speisen und Getränke aus Industrie-Zucker weitgehend zu verzichten. Im Durchschnitt dauert es ungefähr 20 Jahre, ehe es zu einem Ausbruch der Krankheit kommt. Deswegen stehen die Heilungschancen in einem frühen Stadium gut. In Österreich wird bei rund 2.500 Männern und 1.900 Frauen die Diagnose Darmkrebs gestellt. (GA)

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