Syrer macht Spiel aus der Flucht nach Österreich

Familie zurücklassen, Minen meiden oder vor Soldaten verstecken – ein Syrer verarbeitet die Flucht nach Österreich in einem Game.

Täglich erreichen uns Meldungen über Flüchtlinge. Menschen, die ihr Leben riskieren, auf Schlepper angewiesen sind und Familienmitglieder zurücklassen, um in Europa eine bessere Zukunft zu finden. Einer von ihnen ist Abdullah Karam aus dem syrischen Hama. Der 21-Jährige flüchtete vor drei Jahren nach Österreich. Seit zwei Jahren lebt er in Salzburg.

So makaber es klingt, aber die lebensgefährliche Flucht Karams gibt es heute als Game. Dieses nennt sich "Path Out" und lässt den Spieler die beschwerliche Reise von Syrien bis in die Türkei nachspielen. Echt schräg. Doch für den leidenschaftlichen Gamer Karam war die Entwicklung des Computerspiels eine Möglichkeit, das Erlebte zu verarbeiten und aus einer gewissen Distanz zu betrachten.

Zu verdanken hat Karam alles Georg Hobmeier, Mitgründer der Gameplattform "Causa Creations". Die beiden lernten sich zufällig kennen und Hobmeier merkte schnell, was für ein Talent im jungen Flüchtling steckt. Zusammen entwickelten sie das Spiel, in dem der Spieler Karams Flucht miterlebt, sich von seinen Eltern verabschieden, vor bewaffneten Soldaten verstecken oder Minen ausweichen muss.

Ein ganzes Spektrum an Gefahren

Zurzeit gibt es "Path Out" nur als Demoversion auf der Homepage von "Cause Creations". Und nicht alle Situationen, in der sich der Spieler mit seinem Charakter wiederfindet, sind aus Karams Tagebuch. Die Macher wollen das ganze Spektrum an Gefahren aufzeigen, mit denen ein Flüchtling zu kämpfen hat.

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Darüber hinaus gehe es vor allem auch darum, die Flüchtlinge als Menschen mit all ihren Ängsten, Wünschen und Hoffnungen zu zeigen. Georg Hobmeier erklärt: "Die Spieler sollen ein empathisches Verhältnis zu Flüchtlingen wie Abdullah bekommen. Daher haben wir auch Video-Kommentare von ihm eingebaut."

"Was machen diese Kamele hier?!"

Gleichzeitig räumen die Entwickler mit Klischees über das Leben in Syrien auf. So trifft man etwa kurz nach Beginn des Games auf ein Kamel, das vor einem Haus steht. Plötzlich poppt ein Fenster auf, in dem der echte Karam erscheint und kommentiert: "Kommt schon! Bei uns gibt es doch keine Kamele mehr, die stehen nur noch an Touristenattraktionen herum."

Humor spielt in "Path Out" ebenso eine wichtige Rolle. "Ich bin Gamer und möchte, dass die Menschen auch Spaß haben, wenn sie unser Spiel spielen. Außerdem sind wir Syrer nun mal so – wir verlieren fast nie unseren Humor", erzählt Karam. Gerade im Krieg sei das überlebenswichtig. Genauso wie der Glaube an universelle Menschenrechte.

Trotzdem war es für den 21-Jährigen eigenartig, seine Reise nachzuspielen. Die Arbeit an "Path Out" hat ihn erneut daran erinnert, wie viel Glück er eigentlich hatte und wie gut es ihm heute geht. Seine Leidenschaft für Computergames hätte er in Syrien zum Beispiel beruflich so nicht ausleben können wie er es jetzt tut.

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