Erstes 5G-Netz in Betrieb – das ist der Haken

Mit viel Tamtam hat T-Mobile das erste 5G-Netz Europas im "kommerziellen Echtbetrieb" gestartet. Klingt sensationell, man sollte sich aber nicht zu viel erhoffen.

Österreich hat nun das erste 5G-Netz Europas. Denn am 26. März um 11.39 Uhr drückten T-Mobile-CEO Andreas Bierwirth, Deutsche-Telekom-Vorstand Srini Gopalan, Bundeskanzler Sebastian Kurz, Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (beide ÖVP) und Infrastrukturminister Norbert Hofer (FPÖ) auf einen großen, pinken Knopf.

Es war der (symbolische) Startschuss für den Betrieb der neuen Mobilfunk-Technologie in Österreich. Laut dem Kanzler nimmt das Land damit eine Pionierrolle im 5G-Ausbau ein: "Dies ist ein wichtiger Meilenstein für unsere Wettbewerbsfähigkeit, unseren technologischen Fortschritt und für die Lebensqualität der Österreicherinnen und Österreicher", so Kurz, der von Gopolan und Bierwirth Dank für die Schaffung der nötigen politischen Rahmenbedingungen erntete.

Zunächst werden 17 Gemeinden in fünf Bundesländern von 25 Sendestationen beliefert. Neben ländlichen Gebieten wie Hohenau an der March (Niederösterreich) sind auch größere Städte wie Innsbruck (Tirol) und Villach (Kärnten) dabei. T-Mobile hat 200 5G-Router an erste Kunden übergeben, die nun im Testbetrieb genutzt werden.

Künftig sollen weitere Router ausgegeben und auch "entsprechend bepreist" werden, so Bierwirth im Rahmen einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. Das 5G-Netz, sagt der CEO, sei im "kommerziellen Echtbetrieb".

Der Haken: noch können Konsumenten 5G kaum nutzen.

Was brauche ich, um 5G zu nutzen?

Ohne entsprechenden Router in einem Gebiet mit Abdeckung ist 5G derzeit noch nicht nutzbar. Bereits im Sommer sollen aber die ersten 5G-Smartphones auf den Markt kommen. Größere Kapazitäten und höhere Geschwindigkeiten werden versprochen. Fest steht aber auch: Auch wenn Kunden schon dieses Jahr 5G-Smartphones kaufen können, profitieren sie aktuell noch wenig bis gar nicht von der Technik.

"Aktuell lohnt es sich sicher noch nicht, ein Smartphone mit 5G-Chip zu kaufen", sagt Telekom-Experte Jean-Claude Frick zum "Heute.at"-Schwestermedium "20 Minuten". Der Grund ist nicht nur die fehlende Abdeckung von 5G – preislich dürften die Geräte anfangs auch in einer eigenen Liga spielen. So wird etwa das faltbare Luxus-Handy Mate X von Huawei ab 2.300 Euro erhältlich sein. Es ist eines der ersten 5G-Geräte, dessen Preis bekannt ist.

Dazu kommt, dass die ersten 5G-Smartphones laut Frick mehr Akku brauchen werden. Die notwendigen Chipsätze würden zuerst nicht so optimiert sein wie bei den 4G-Geräten. Wer Wert auf lange Akkulaufzeit legt, dürfte mit 4G also sowieso vorerst besser bedient sein.

Wann ist Österreich fit für 5G?

Bis 5G überall in Österreich verfügbar ist, dauert es noch etwas. "Ich bin zuversichtlich, dass es in den Landeshauptstädten schon 2020 eine 5G-Netzabdeckung geben wird. Entlang der Hauptverkehrsrouten wollen wir diesen Schritt 2023 schaffen – flächendeckendes 5G peilen wir für 2025 an", so Infrastrukturminister Hofer. Dazu trägt auch bei, dass die öffentliche Hand ihr Eigentum – also unter anderem Gebäude – für die Montage von Sendegeräten zur Verfügung stellen müssen.

In einer ersten Runde wurden nur einige 5G-Frequenzen vom Staat versteigert. Rund 188 Millionen Euro betragen die Einnahmen. Geboten haben A1 Telekom (64 Mio. Euro), Hutchison Drei (52 Mio.), T-Mobile (57 Mio.), MASS Response (1,8 Mio.), LIWEST (5 Mio.), Salzburg AG (4,3 Mio.) und Holding Graz (2.9 Mio.). Die nächste Versteigerung findet voraussichtlich 2020 statt – dann werden Bänder vergeben, die größere Flächen abdecken.

Was wird mich 5G kosten?

Das kann derzeit noch nicht gesagt werden, heimischen Anbieter haben noch keine 5G-Optionen im Programm. T-Mobile gibt sich darauf angesprochen bedeckt. Man arbeite noch daran. Dass die 5G-Tarife teurer werden als bisherige ist nicht ausgeschlossen, sondern wahrscheinlich. Ein Blick in die Schweiz, wo bereits erste 5G-Optionen angeboten werden, bestätigt das.

Wer profitiert am meisten von 5G?

Die Industrie. Hauptvorteil von 5G ist einerseits die niedrigere Verzögerungszeit: Zwischen Sender und Empfänger beträgt die Verzögerung rund 1 Millisekunde, bei 4G sind es rund 50 Millisekunden. Zudem bietet 5G hohe Bandbreiten: Für die Industrie dürfte das große Vorteile bringen. Bierwirth sprach auch davon, dass für Unternehmen eigene Stücke des Netzes herausgenommen werden können, um sie alleine zu nutzen – sogenanntes "Network Slicing".

Dank der hohen Kapazität von 5G können extrem viele Maschinen gleichzeitig mit dem Netz verbunden sein. Die niedrige Verzögerung ermöglicht es zudem, Daten in Echtzeit auszuwerten. So lassen sich Produktionsausfälle vorhersehen oder Maschinen im Falle eines Fehlers sofort stoppen.

Minister Hofer sprach auch den Vorteil für selbstfahrende Autos an. Direkt würden sie 5G nicht brauchen, doch wenn genug Menschen diese Fahrzeuge nutzen und etwa während der Fahrt streamen, würden große Datenmengen bewegt werden. Wirtschaftsministerin Schramböck verspricht sich durch 5G übrigens 32 Milliarden Euro zusätzliches BIP und 35.000 Arbeitsplätze bis zum Jahr 2030. (lu/rkn)

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