Die deutsche "Tagesschau" verzichtet ab sofort auf die traditionelle Begrüßung "Meine Damen und Herren", "Heute" berichtete. Wie der Norddeutsche Rundfunk (NDR) am Freitag gegenüber der "Bild" bestätigte, wird die Nachrichtensendung seit dem 21. November mit den Worten "Guten Abend, ich begrüße Sie zur Tagesschau" eröffnet. Die Meinungen dazu gehen auseinander.
Letztmals hörten die Zuschauer die bisherige förmliche Anrede "Guten Abend, meine Damen und Herren, ich begrüße Sie zur Tagesschau" am 20. November, vorgetragen von Chefsprecher Jens Riewa. Die Entscheidung basiere auf einer Zuschauerbefragung, die den Wunsch nach einer "authentischen und zugänglichen Ansprache" erkennen lasse.
Die Tagesschau begründet die Änderung damit, sich stärker am gesprochenen Wort und weniger an der formellen Schriftsprache orientieren zu wollen. Laut einer Sprecherin des NDR entspricht dies dem Ziel, eine zeitgemäße Kommunikation zu gewährleisten.
Sprecher Constantin Schreiber schrieb am Freitag über die Neuerung auf X: "Heute das erste Mal für mich ohne ,Damen und Herren‘. Stattdessen heißt es nun ,Guten Abend, ich begrüße Sie zur Tagesschau!‘ Was denkt ihr dazu?"
In den sozialen Netzwerken gibt es gemischtes Feedback. Obwohl die Neuerung zunächst für rund eine Woche unentdeckt blieb, koch nun das Internet. Auf der Plattform X äußerten einige Nutzer Kritik. Eine User schrieb: "Die Dauerbeleidigten können aufatmen." Auch eine andere Kommentatorin lehnt die Neuerungen ab, wenn auch weniger drastisch: "Mir fehlt es. Etablierte Höflichkeitsformen sollte man bewahren, gerade als Format mit so langer Geschichte. Zeitgeist kommt und geht", so die Frau.
Eine Userin lobte die neue Begrüßung als "elegante Lösung, um das Gendern zu umgehen. Sie fügte hinzu: "Klingt moderner und grenzt niemanden aus." Gar keinen Gefallen an der neuen Begrüßung findet hingegen dieser Nutzer: "Ein weiterer kleiner Schritt Richtung kulturelle Barbarei", heißt es dort.
Bereits im Sommer überraschte die "Tagesschau" mit einer weiteren Neuerung: einer Ausgabe in einfacher Sprache. Dieses Format richtet sich an rund 17 Millionen Erwachsene in Deutschland, die Schwierigkeiten mit komplexen Texten haben. Der NDR betont, dass diese Angebote Teil des öffentlich-rechtlichen Auftrags seien, alle Bürger gleichermaßen zu informieren.