Obwohl Deutschland die Taliban nicht als rechtmäßige Regierung Afghanistans anerkennt, haben die Islamisten nun auch die afghanische Botschaft in Berlin unter ihre Kontrolle gebracht. Das Taliban-Mitglied Nebrasul H. leitet mittlerweile als sogenannter Geschäftsträger die diplomatische Vertretung.
Der Mann war im Juli als einer von zwei Konsularbeamten mit Zustimmung der Bundesregierung nach Berlin gekommen. Die Taliban ließen die deutschen Behörden aber im Unklaren darüber, dass sie ihn später mit der Leitung der Botschaft beauftragen würden.
Laut n-tv.de unter Berufung auf ARD-Recherchen ist der bisherige Geschäftsträger Abdul P. bereits Anfang Januar entmachtet worden. Er fungiert nur noch als Strohmann, obwohl er auf den Webseiten des afghanischen Außenministeriums und des Auswärtigen Amts weiterhin als Geschäftsträger genannt wird.
Die Machthaber in Kabul hatten den von der vorigen Regierung entsandten Diplomaten, der kein Taliban-Mitglied ist, als nicht vertrauenswürdig genug eingestuft. Er wurde deshalb aus der Führungsposition gedrängt.
Deutschland ist nicht das einzige Land, in dem die Taliban diplomatische Vertretungen unter ihre Kontrolle bringen. Auch in China, Russland, Katar, der Türkei und dem Iran sollen bereits Taliban-Kräfte die Botschaften leiten.
Trotz der fehlenden Anerkennung arbeitet Innenminister Alexander Dobrindt mit den Taliban bei der Rückführung afghanischer Straftäter zusammen. Ende Februar wurden erstmals 20 Straftäter nach Afghanistan abgeschoben.