Techniker wollte nicht in den Sudan fahren – Entlassung

Khartum, die Hauptstadt der Republik Sudan
Khartum, die Hauptstadt der Republik SudanXinhua / Action Press / picturedesk.com
Die Arbeiterkammer hat für einen Vermessungstechniker 15.000 Euro erkämpft. Dieser wurde entlassen, weil er nicht in den Sudan fahren wollte.

Die Arbeiterkammer Wien berichtet in einer Aussendung über einen brisanten Entlassungsfall. Konkret geht es um den Vermessungstechniker Cristi N., der für eine Industrievermessungsfirma tätig war. Ausgedehnte Dienstreisen gehörten immer wieder dazu. Der Arbeitnehmer hatte auch immer alle Reisen anstandslos absolviert.

Sicherheitswarnstufe 3 im Sudan

Nur eines Tages wurde Herr N. von seiner Firma recht kurzfristig darüber informiert, dass er eine Dienstreise in den Sudan antreten sollte. Da er vorher noch nie in Afrika war, recherchierte er im Internet und stellte fest, dass für das Land Sicherheitswarnstufe 3 gilt: Das bedeutet gewalttätige Auseinandersetzungen, auch mit Todesfolgen, und hohes Risiko von Terroranschlägen. Das Außenministerium rät von nicht unbedingt notwendigen Reisen dorthin ab.

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Auch eine Reihe von Impfungen wird für den Sudan empfohlen, die sich bis zum Antritt der Dienstreise nicht mehr ausgegangen wären. Außerdem war der Termin dieser Dienstreise so angesetzt, dass N. befürchten musste, seinen lange geplanten Urlaub nach Rumänien nicht antreten zu können, für den er bereits Vorbereitungen getroffen hatte.

15.000 Euro Kündigungsentschädigung

Als der Vermessungstechniker seine Bedenken der Firma mitteilte, wurde er einfach entlassen. Herr N. wandte sich an die Arbeiterkammer, da er seine Entlassung für ungerechtfertigt hielt. Die AK zog den Fall vor Gericht.

Das Arbeits-und Sozialgericht schloss sich seiner Auffassung an und die Firma musste mehr als 15.000 Euro an Kündigungsentschädigung zurückzahlen.

Anderl: "Eine Frechheit"

"Es ist die höchstpersönliche Entscheidung jedes und jeder Beschäftigten zu entscheiden, ob er oder sie aufgrund einer Reisewarnung eine Dienstreise für zu gefährlich hält und auch, welche Impfungen für notwendig erachtet werden. Einen verdienten Angestellten, der zuvor alle Dienstreisen immer gemacht hat, zu entlassen, ist ehrlich gesagt, eine Frechheit", erklärte AK-Präsidentin Renate Anderl.

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