Zwei Burschen (17, 19) und ein Mädchen (17) sitzen in Münster auf der Anklagebank: Sie folterten einen Lehrling und versuchten ihn zu töten, weil die 17-Jährige behauptet hatte, er hätte sie vergewaltigt.
Timo F., Julian F. und Jennifer O. lockten Jakob T. (19) in einen Hinterhalt in Lüdinghausen, überwältigten ihn und versuchten ihn zu töten, erklärte die Staatsanwaltschaft: Zunächst wollten sie ihr Opfer mit einer Stahlrute erschlagen, dann mit Kabelbindern und seinem Gürtel erwürgen. Das Martyrium dauerte Stunden an.
Als der Lehrling das Bewusstsein verlor, flüchtete das Trio. Ein Passant fand den Schwerverletzten später - er leidet bis heute an den Folgen des Mordversuchs. Doch vor Gericht kam jetzt heraus, dass es nie eine Vergewaltigung gegeben hat - Jennifer hatte ihre beiden Freunde belogen.
Die 17-Jährige hatte sich vom Mitangeklagten Julian getrennt und Jakob T. auf dem Datingportal Lovoo kennengelernt, berichtet die Bild-Zeitung. Man verabredete sich zum Sex: "Wir saßen auf dem Bett. Ich wollte zuerst nicht. Dann gab es doch Geschlechtsverkehr. Ich wollte damit mein Selbstwertgefühl pushen und mich von Julian ablenken."
Mittäter glaubten an Vergewaltigung
Doch später behauptete sie gegenüber Timo und Julian auf WhatsApp, der Sex habe gegen ihren Willen stattgefunden: "Ich habe mir nichts dabei gedacht. Ich habe nur das geschrieben, was ich in diesem Moment gedacht habe. Erst später wurde mir klar, dass der Sex nicht gegen meinen Willen passiert ist."
Die drei schmiedeten dann den Plan, sich an Jakob T. zu rächen. Vor Gericht betonten die beiden Burschen, sie hätten geglaubt, ihre Freundin sei vergewaltigt worden und machten nur deshalb mit. Timo F. entschuldigte sich beim Opfer: "Ich habe nur nicht aufgehört zu schlagen, weil ich die Freundschaft zu Jenny nicht gefährden wollte. Das war das Unmenschlichste der Welt, was ich Dir angetan habe. Ich hoffe, Du nimmst die Entschuldigung an."
Der Prozess wird fortgesetzt.