Riesige Porträts, Gluthitze und hektisches Treiben unter strengen Sicherheitsvorkehrungen: In Teheran laufen die Vorbereitungen für die staatlichen Trauerfeiern für Ayatollah Ali Chamenei auf Hochtouren. Die Gedenkveranstaltungen starten am Wochenende und sollen sechs Tage dauern. Der Leichnam von Chamenei, der fast 37 Jahre lang die Islamische Republik Iran geführt hat, wird ab Samstag in der Mosalla von Teheran aufgebahrt. Das ist ein riesiger Komplex, wo sonst große Freitagsgebete, offizielle Gedenkfeiern und religiöse Versammlungen stattfinden.
Arbeiter verpassen den Eingängen der Anlage noch den letzten Anstrich, während andere die Gehwege neu teeren. Überall stehen Sicherheitskräfte und Polizisten bereit. Die Fassade der Mosalla ist mit riesigen Porträts von Ali Chamenei bedeckt. Das Gebäude erinnert an eine große Moschee. Im Inneren arbeiten Arbeiter auf Gerüsten an einer Metallkonstruktion, wie Bilder der Staatsmedien zeigen.
Die Trauerfeiern finden sechs Monate nach Massenprotesten gegen die hohen Lebenshaltungskosten und die Regierung im Iran statt – und vier Monate nach der Tötung des 86-jährigen Chamenei bei Angriffen zu Beginn des von den USA und Israel gegen den Iran gestarteten Krieges. Momentan herrscht eine brüchige Waffenruhe, Washington und Teheran haben sich auf ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Krieges geeinigt.
Eigentlich hätten die Zeremonien schon Anfang März stattfinden sollen, wurden aber wegen des Krieges verschoben. Jetzt rechnet man allein in Teheran mit 15 bis 20 Millionen Menschen. Ab Samstag sind in der Hauptstadt drei Tage des Gedenkens vorgesehen. In dieser Zeit wird Teheran "vollständig geschlossen sein und arbeitsfrei", wie die Behörden anordnen. Es wird große Verkehrsbeschränkungen geben, ein riesiger Teil der Innenstadt wird für Autos gesperrt. Die Vorbereitungen sorgen schon jetzt für Staus, weil bestimmte Straßen für Lieferfahrzeuge gesperrt wurden.
Ein Ziel der Trauerfeiern ist laut Organisationschef Ali-Akbar Purdschamschidian, "den nationalen Zusammenhalt und die Einheit zwischen den verschiedenen politischen, sozialen und religiösen Komponenten des Landes rund um die zentrale Rolle des Führers zu stärken". Auf Plakaten wird dem Iran eine "strahlende Zukunft" versprochen.
Das Staatsfernsehen zeigt derzeit viele Dokumentationen über Chamenei und gibt Warnhinweise aus, weil die Feiern bei großer Hitze stattfinden werden.
Schon am Freitag werden laut Purdschamschidian Vertreter aus etwa dreißig Ländern zur ersten Trauerfeier erwartet. Vertreter aus Europa sind laut Außenministeriumssprecher Esmail Bakaei nicht eingeladen, weil sie im Iran-Krieg "auf der falschen Seite der Geschichte" standen.
Beigesetzt wird Ali Chamenei schließlich am 9. Juli in der heiligen Stadt Maschhad im Nordosten Irans, seiner Heimatstadt. Am Vortag zieht ein Trauerzug durch den Irak und die heiligen Städte Nadschaf und Kerbela. Chameneis Sohn Modschtaba ist Anfang März als oberster Führer des Iran nachgerückt, ist aber seit seiner Ernennung noch nicht öffentlich aufgetreten.
Ob er an den Trauerfeiern für seinen Vater in Teheran teilnehmen wird, ist bisher unklar. "Das Thema der Teilnahme des obersten Führers entzieht sich meiner Zuständigkeit und meinem Wissen", sagt Purdschamschidian dazu.