Tekken 7 im Test: Prügler mit kinoreifer Inszenierung

Tekken 7 erfreut Freunde gepflegter Schlägereien mit neuem Gameplay. Dazu wird eine bombastische Story serviert.
Tekken war nicht nur eines der ersten Spiele auf der PlayStation, sondern begründete auch das Genre der Beat-'em-ups grundlegend mit. Von Anfang an dabei: Die Protagonisten und Antagonisten des Mishima-Clans, die durch Wut, Rachegedanken und Intrigen aneinander gerieten. Diese Geschichte will nun Tekken 7 für PC, PlayStation 4 und Xbox One zu Ende erzählen.

Zu bestaunen gibt es beim neuesten Ableger aber nicht nur neue Charaktere, verbessertes Gameplay und tolle Grafik, sondern auch einen Story-Modus, der kinoreif inszeniert wurde. Die Handlung wird von einem unbekannten Journalisten erzählt, der an einem Bericht darüber arbeitet, wie seine Frau im Konflikt des Mishima-Clans und der Verstrickung von Jin Kazama umkam. Gleichzeitig will er die Hintergründe des Clan-Krieges aufdecken.

Der Story-Modus ist dabei ungewöhnlich, aber spektakulär aufgemacht: Während die Handlung abläuft, steigt der Spieler immer wieder in Szenen ein und übernimmt die Rolle eines festgelegten Charakters im Kampf gegen seine Kontrahenten. So wird die Prügelei nicht nur einfach dem Zocker vor die Füße geschmissen, sondern fühlt sich als wichtiger Teil des großen Ganzen an. Tekken 7 bietet zudem eine Art Abkürzung: Wer sich mit manchen Kämpfern nicht so gerne auseinandersetzt, kann per Schulter- und Actionstaste die "Story-Hilfe" aktiviert werden, die automatisch kraftvolle Angriffe auslöst. Für Profis wahrscheinlich ein No-Go, Anfänger tun sich damit aber leichter.

Hass-Funktion Quicktime-Event

Generell bin ich kein Freund von Quicktime-Events, die immer mehr Spieleentwickler für sich entdecken. Das aus dem Grund, dass die "Drück rechtzeitig den Button"-Aktionen oft uninspiriert und inflationär eingesetzt werden. Besonders, wenn der Kampf gegen einen Boss nur aus schnellen Quicktime-Events besteht, geht die Lust am Spiel schnell flöten. Auch Tekken 7 setzt Quicktime-Events ein. Zum Glück aber weder häufig, noch schlecht gemacht. Hier taugen sie sogar zu einer willkommenen Abwechslung im Spielfluss.

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CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Wer der Story immer tiefer folgt, bekommt Grandioses geboten. Inhaltlich wird die Geschichte packend erzählt. Sie wartet mit großen Gefühlen, Rache, Liebe und Hass auf. Genauso hat sie aber ihre ruhigen Momente - dramaturgisch toll gemacht. Das hätte man bei einem Beat-'em-up kaum erwartet. Aber auch die technische Umsetzung ist gewaltig und wechselt zwischen bombastischen 3D-Grafiken, detailliert gestalteten Anime-Sequenzen und fesselnden Spiel-Szenen perfekt ab.

"Rage Arts" und "Power Crushs"

38 Charaktere mit sehr verschiedenen Techniken lässt Tekken 7 den Spieler steuern. Die meisten davon kommen aber kaum im Story-Modus vor. Schön ist aber, dass sich Bandai Namco auch den weniger präsenten Figuren gewidmet hat. Für sie wurden eigene Episoden geschaffen, die aus Einspielungen und Kämpfen bestehen. Über jede solche Episode wurde eine Geschichte gelegt, die die Figur eingehender vorstellt.

Tekken 7
Tekken 7


Beim Gameplay führt Tekken 7 zwei neue Mechaniken ein, die für mehr Taktik sorgen. Die erste wird "Rage Arts" genannt. Fällt die Lebensenergie des Charakters in den kritischen Bereich, kann er diesen Modus, durch eine rote Aura angezeigt, aktivieren. Die Folge ist, dass die Angriffe um bis zu einem Drittel verstärkt werden. So kann man bereits verloren geglaubte Kämpfe im letzten Moment drehen. Allerdings wird so der normale Kraftanstieg deaktiviert – und weicht ein Gegner einer solchen Attacke aus, ist man meist geliefert. "Power Crushs" hingegen absorbieren die Attacken von Gegner. Zwar erleidet mein Kämpfer weiter Schaden, kann aber ungestört davon weiter auf den Gegner einschlagen.

Ansonsten Altbewährtes

Ansonsten bietet das Gameplay nicht viel Neues – das Altbewährte ist aber weiterhin ganz große Klasse: Combos ausführen, Spezialattacken aktivieren, mit den vier Buttons Arme und Beine individuell bewegen. Tekken bleibt weiter eine Spielereihe, die wegen der taktischen Möglichkeiten und Kombinationen bei der Steuerung vor allem Profis anspricht. Allerdings zeigt gerade Tekken 7 gute Wege vor, auch Einsteiger ins Boot zu holen. Mit dem Dämon Akuma wird auch in Street-Fighter-Filden gegrast. Dem Gast-Kämpfer wurde sogar viel Platz in der Story eingeräumt.

Eine Neuerung ist die Grafik der Unreal 4 Engine, was für die flüssigsten Bewegungen und detailliertesten Körper der Kämpfer in der Geschichte der Serie sorgt. Einzig die Hintergründe der Kampfarenen können nicht ganz mit der tollen Darstellung mithalten, das kennt man etwa von Injustice 2 besser. Beim Sound wurde dagegen ganze Arbeit geleistet. Besonders gefällt, dass die Charaktere die jeweilige Muttersprache sprechen und die Übersetzung als Untertitel eingeblendet werden. Das wirkt authentisch. Und musikalisch fetzt Drum & Bass aus den Lautsprechern, die ich als neuen Meilenstein der Games-Musik bewerte. Inkludiert wurden im Spiel übrigens alle Tekken-Soundtracks, die es jemals gegeben hat.

Kleine, aber feine Änderungen

Charakter-Anpassung, Accesoires, Kostüme, Frisuren, Ingame-Shp mit -Währung (ohne Echtgeld-Zwang), Kämpfe um Schätze, Matches unter Spezialbedingungen, Rang-Kämpfe, Turniere, Doppelgefechte: Tekken 7 bietet neben dem Story-Modus Dutzende verschiedene Inhalte für Single- und Multiplayer, die über Stunden begeistern. Einzig mit dem VR-Modus kann ich mich nicht anfreunden, besteht er doch aus einem vereinfachten Trainingsmodus und einer VR-Betrachtung der Standard-Charaktere. Dafür klappt das Online-Matchmaking umso besser. Als Anfänger bekomme ich gleichwertige Gegner vorgeschlagen und werde nicht ständig von Könnern windelweich geprügelt.

Tekken 7 bleibt insgesamt ein echtes Tekken, das Button-Mashing bestraft und hartes Training belohnt. Trotzdem klappt der Einstieg für Anfänger leichter als bei vielen der vorangegangenen Titel. Grafisch wird großteils Tolles geboten, auch wenn abseits der Kämpfer die Qualität etwas abnimmt. Musikalisch ist der Titel dagegen ein absolutes Highlight, und er besticht durch sein Herzstück, den großartigen Storymodus.

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