Welt

Telefon führte zu Paris-Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud

Heute Redaktion
14.09.2021, 14:12

Die Überwachung einer Frau wegen Drogenvergehen hat Polizeikreisen zufolge die französischen Sicherheitskräfte auf die Spur des mutmaßlichen Drahtziehers der Pariser Anschläge, Abdelhamid Abaaoud, geführt. Die Polizei habe das Telefon von Hasna Ait Boulahcen überwacht, von der bekannt gewesen sei, dass sie Kontakt zu Abaaoud hatte. Unterdessen wurden in der Türkei drei Männer in Zusammenhang mit dem Paris-Terror festgenommen. Einer soll Ziele ausgekundschaftet haben.

Die Überwachung einer Frau wegen Drogenvergehen hat Polizeikreisen zufolge die französischen Sicherheitskräfte auf die Spur des mutmaßlichen Drahtziehers der  ,  Abdelhamid Abaaoud, geführt. Die Polizei habe das Telefon von Hasna Ait Boulahcen überwacht, von der bekannt gewesen sei, dass sie Kontakt zu Abaaoud hatte. Unterdessen wurden in der Türkei drei Männer in Zusammenhang mit dem Paris-Terror festgenommen. Einer soll Ziele ausgekundschaftet haben.

In der Türkei sind in Zusammenhang mit den Anschlägen in Paris drei Männer festgenommen worden. Bei einem davon handele es sich um einen Belgier mit marokkanischer Abstammung, sagte ein türkischer Regierungsvertreter. Er werde verdächtigt, mögliche Ziele für die Anschläge ausgekundschaftet zu haben. Der 26-Jährige sei in einem Luxushotel in Antalya erwischt worden.

Bei den beiden anderen Männern handelt es sich laut Nachrichtenagentur Dogan um zwei Syrer, die von der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) entsandt wurden, um den Belgier sicher über die Grenze zu geleiten.

Über Handy Abaaoud ausfindig gemacht

Unteredessen geht die Aufarbeitung der Paris-Anschläge weiter. Immer mehr Details werden auch eine Woche danach noch bekannt. Etwa sei es über das Handy von Ait Boulahcen gelungen, die Terror-Zelle im Pariser Vorort Saint-Denis ausfindig zu machen. Dienstagabend sei beobachtet worden, wie sie Drahtzieher Abdelhamid Abaaoud in das am Mittwoch gestürmte Haus führte. Boulahcen soll die Cousine Abaaouds sein.

Bei der Stürmung des Hauses kam Abaaoud ums Leben, Boulahcen starb ebenfalls. Nach Ait Boulahcen sei gefahndet worden, nachdem die Polizei erfahren habe, dass sich Abaaoud nicht wie vermutet in Syrien, sondern in Frankreich aufhalte. Die Ermittler hätten gehofft, ihn in der Begleitung Boulahcens zu finden.
Drittes Todesopfer: Identität noch unklar

Zunächst hatten die Ermittler wegen der Folgen der heftigen Feuergefechte und mehrerer Explosionen bei der Erstürmung des Hauses nur zwei Leichen zuordnen können, darunter jene Abaaouds. Ein drittes Todesopfer war bisher nur vermutet worden, die Identität des dritten Toten aus der Wohnung in Saint-Denis ist weiter nicht geklärt.

Auf einem von Nachbarn aufgenommenen Video von Mittwoch sind Boulahcens letzte Worte zu hören. "Wo ist dein Freund?", ruft ein Polizist durch die Panzertür der Wohnung. "Wo ist er?". "Er ist nicht mein Freund", schreit sie mit schriller Stimme zurück. Dann sind Detonationen zu hören. Die Ermittler gingen zuerst davon aus, dass Boulahcen eine Sprengstoffweste zündete - sie wäre damit die erste Selbstmordattentäterin Frankreichs gewesen. Am Freitag sagte die Pariser Staatsanwaltschaft aber, sie habe sich nicht in die Luft gesprengt.

Abaaoud von Metrokamera erfasst

Boulahcen hatte sich laut Aussage ihres Bruders im vergangenen halben Jahr radikalisiert und angefangen, einen Ganzkörperschleier zu tragen. Vor drei Wochen sei sie in den Pariser Vorort Drancy gezogen. Dort lebte auch der frühere Busfahrer Samy Amimour, der am Freitag vergangener Woche mit zwei weiteren Angreifern 89 Menschen in der Pariser Konzerthalle Bataclan tötete.

Abaaoud wurde am Abend der Attacken in einer Metrostation östlich der französischen Hauptstadt von Kameras erfasst. Der Sender "BFMTV" veröffentlichte am Freitag ein Foto, das den 28-Jährigen in der Metrostation Croix de Chavaux in Montreuil zeigen soll. Nach Informationen des Senders "France Info" wurde Abaaoud von einer Kamera der Verkehrsgesellschaft RATP erfasst, als er um 22.14 Uhr die U-Bahn-Station betrat. Kurz zuvor waren Cafes und Restaurants im Osten von Paris attackiert worden.
DNA-Spuren auf Kalaschnikow

Unweit der Station der Linie M9 hatten Ermittler einen schwarzen Seat sichergestellt, aus dem heraus die Attentäter die Cafes und Restaurants beschossen hatten. Auf einer Kalaschnikow, die sich in dem Auto befand, sollen zudem Spuren des 28-jährigen Belgiers gefunden worden sein, wie die Nachrichtenagentur AFP am Freitagabend aus Ermittlerkreisen erfuhr.

Der Vater von Abaaoud hielt seinen Sohn nach Angaben seiner Anwältin für einen "Teufel". Omar Abaaoud sei "erleichtert" gewesen, als er vom Tod des 28-Jährigen erfahren habe, sagte Nathalie Gallant am Freitag "CNN". "Der Vater wusste seit etwa einem Monat, dass sein Sohn mit Terrorakten in Europa in Verbindung gebracht wurde", sagte Gallant. Omar Abaaoud habe erstmals 2013 die Radikalisierung des Sohnes bemerkt.

Fast 800 Hausdurchsuchungen

Seit den Attentaten am 13. November gab es 793 Hausdurchsuchungen, wie Innenminister Bernard Cazeneuve am Freitag sagte. 107 Personen wurden vorläufig festgenommen, 90 von ihnen kamen in Polizeigewahrsam. 164 Menschen seien unter Hausarrest gestellt worden. 174 Waffen wurden beschlagnahmt. Insgesamt seien 250.000 Euro sichergestellt worden. Allein in der Nacht auf Freitag erfolgten 182 Hausdurchsuchungen. 20 Menschen wurden dabei festgenommen und 76 Waffen sichergestellt.

Am Freitag wurde zudem ein weiterer Attentäter identifiziert. Die Fingerabdrücke des Terroristen, der sich am Eingang H des Stade de France um 21.30 Uhr in die Luft gesprengt hatte, entsprechen denen eines Mannes, der am 3. Oktober in Griechenland erfasst wurde, wie die Staatsanwaltschaft in Paris mitteilte. Bei dieser Kontrolle in Griechenland sei auch ein zweiter Attentäter registriert worden, der sich um 21.20 Uhr am Eingang D des Stadions mit einem Sprengstoffgürtel in die Luft sprengte.
Drei Monate Ausnahmezustand

Freitagabend stimmte auch der französische Senat als zweite Kammer des Parlaments der Verlängerung des Ausnahmezustands einstimmig zu. In dieser Zeit erhalten die Sicherheitsbehörden erweiterte Befugnisse. Dazu gehören Möglichkeiten zur Sperre von Internetseiten, zur Auflösung radikaler Moscheevereine und zur Einschränkung der Bewegungsfreiheit.

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