"Temtem" im Test: Das bessere "Pokémon"-Game?

Das oft als "Pokémon"-Klon bezeichnete "Temtem" hat die PlayStation 5 im Early Access erreicht. Dabei übertrifft es die Vorlage in vielen Bereichen.

Bereits spätestens seit Beginn des Jahres ist "Temtem" in aller Gamer-Munde. Schließlich sorgte die PC-Version auf Steam für Furore und zog immer mehr Interessierte an. Kein Wunder also, dass das Multiplayer-Adventure von Humble Games und Crema auch den Weg auf andere Plattformen findet. Auf der PlayStation 5 kommen Gamer nun zudem in den Genuss von Crossplay, können also gemeinsam mit PC-Zockern nach den niedlichen Kreaturen jagen und sich bekämpfen.

Schon zu Beginn zeigt "Temtem", dass das geistige Vorbild natürlich "Pokémon" war. Ein verrückter Professor schenkt unserer Spielfigur eines von drei knuddeligen Wesen, mit dem man auf Abenteuersuche gehen und weitere Kreaturen einsammeln soll. Die Parallelen ziehen sich durch: Im Laufe des Spiels gilt es, böse Mächte mit kräftigen Monstern zu bekämpfen, dazu kommen Auftritte von einigen NPCs, die sich immer wieder mit uns duellieren wollen, aber oftmals skurril scheitern.

Auch eigene Duftnoten vorhanden

Ob "Temtem" nun sowohl Handlung, als auch Gameplay einfach geklaut hat oder nicht – das Spiel funktioniert trotzdem überraschend gut und weiß auch trotz der vielen Gemeinsamkeiten eigene Duftnoten zu setzen. So kann die eigene Spielfigur mit Dutzenden Einstellungsmöglichkeiten und Items personalisiert werden – bei den Trainern in "Pokémon" war das erst in späteren Spielen und auch da nur sehr oberflächlich möglich. 

Generell baut das Game zwar auf den Eckpunkten der "Pokémon"-Games auf, verbessert diese aber in vielerlei Hinsicht gewaltig. Das ist auch beim Ablauf des Spiels der Fall: Statt sich immer wiederholender Kämpfe, massenhaft Zufalls-Gefechten und generischen Gegnern passen hier die Zusammentreffen, Kämpfe und Begegnungen zur Handlung und heben sich so voneinander ab, dass die Abwechslung beinahe das gesamte Spiel über hoch gehalten wird. Und: Es wird auch mehr Wert auf die Handlung selbst gelegt: "Temtem" könnte teils als netter Animationsfilm mit Unterhaltungswert durchgehen.

Weit mehr Strategie-Anteil

Und auch in den Kämpfen der recht unterschiedlichen, aber noch überschaubaren Monsterschar kommt mehr Strategie ins Spiel, als man es von "Pokémon" kennt. Statt eines treten hier fast immer zwei Temtem im Team an. Deswegen wird die Wahl der richtigen Monster-Partner besonders wichtig, denn Feuer- und Wasser-Monster können sich gegenseitig mit ihren Effekten behindern, während Angriffs- und Verteidigungs-Temtem sich perfekt ergänzen. Doch das System geht weiter in die Tiefe. Zwischen den Kämpfen können den Monstern aus einer großen Auswahl je vier verschiedene Attacken zugewiesen werden, wobei es kaum Beschränkungen gibt.

In den Kämpfen selbst werden diese Attacken nicht über eine Runden-, sondern über eine Ausdauer-Mechanik ausgelöst. Ob man sich also die stärkste Attacke als Eröffnung bereit hält oder als Finisher verwendet, bleibt dem Spieler überlassen. Wichtig ist nur: Bei null Lebensenergie ist der Kampf verloren und jede Attacke zieht Ausdauer aus der Leiste ab, die sich nur langsam wieder regeneriert. Wie auch in anderen solcher Titel gibt es natürlich zahlreiche Wesen, die der Ausdauer oder der Gesundheit auf die Sprünge helfen – so wichtig wie hier war aber die vorausschauende Team-Planung noch nie.

Vieles bereits da, viel Arbeit wartet

Auch wenn sich "Temtem" noch und wahrscheinlich auch etwas länger im Early Access befindet, vieles kann sich bereits sehen lassen. Neben den gut durchdachten Kämpfen und dem hohen Taktik-Anteil sind das auch die detailverliebten Animationen der Monster und die Gestaltung der Spielwelten. Sechs solcher gibt es bereits, die sich drastisch voneinander unterschieden, aber allesamt mit sehr vielen Details, Quests und den jeweils Karten-spezifischen "Temtem" begeistern. Unser Favorit: Eine Insel voll schöner Strände und Stege sowie kleiner Fischerdörfer – und entsprechend vielen Wasser-"Temtem".

Die verschiedenen Wesen lassen sich übrigens "Pokémon"-gemäß nach den gewonnen Kämpfen einfangen und dem eigenen Monster-Heer hinzufügen. Gefangen werden sie hier mittels "Temkarten", die Monsterübersicht heißt "Tempedia", allzu viele Monster tummeln sich aber noch nicht im Spiel. Die Grafik kann zudem locker mit jedem "Animal Crossing"- und "Pokémon"-Game mithalten und hat einen entsprechenden Anime-Cartoon-Charme. Auch die Musik und die Soundeffekte können schon jetzt überzeugen, nur die Dialoge nerven mit ihren Quietsch-Geräuschen.

Nicht ganz das bessere "Pokémon"

Dennoch gibt es auch noch einige Baustellen, an denen die Entwickler feilen. Noch etwas gespalten ist man zur Online-Umsetzung des Spiels. Schon jetzt im Early Access tummeln sich sehr viele sichtbare Spieler in der Welt und lassen sich bekämpfen, mit auf Missionen nehmen oder als Handelspartner gewinnen. Hier stellt sich die Frage, in welcher Form die Entwickler die sichtbaren Mitspieler begrenzen wird, um nicht die Übersicht zu opfern. Und: Early Access bedeutet auch, dass nicht nur dauernd Neuerungen dazukommen, sondern auch das Gameplay noch komplett verändert werden könnte. Wer Überraschungen nicht mag, sollte also vorbereitet sein.

Dennoch ist für uns schon jetzt "Temtem" in vielen Bereichen das bessere "Pokémon", ohne die Qualität der legendären Spiele vollends zu übertreffen. Der Vergleich schmerzt nämlich etwas: Mit "Pokémon" wuchsen ganze Generationen an Spielern auf, Melodien sowie Figuren blieben bis heute im Gedächtnis – und ohne die Kultreihe hätte es wahrscheinlich ein "Temtem" gar nicht gegeben, das sich teils dreist kopiert zeigt. Das neue Game setzt aber genau da an, woran es den "Pokemon"-Games mangelte und bietet weit mehr taktische Kämpfe und abwechslungsreiche Handlungsstränge und Welten. 

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