E-Tron: Unterwegs mit dem leisesten Audi

Der E-Tron ist das erste vollelektrische Fahrzeug von Audi. Er ist aber kein kleiner Stadtflitzer sondern ein ausgewachsenes SUV.
Einer der großen Vorteile von Elektroautos ist ja, dass niemand hört, wie schnell man ist. Einer der großen Nachteile ist, dass man es selber auch nicht hört. Vor allem, wenn man im Audi E-Tron sitzt. "Was, schon wieder 72? Wie ist denn das passiert?" Diese Fragen stellen wir uns öfter.

Brav hatten wir vor dem Ortsschild auf 50 runtergebremst und glitten entspannt über die Straße. Doch der E-Tron ist so groß, so gut gedämmt und so gut gefedert, dass man einfach nicht mitbekommt, dass der rechte Fuß klamm und heimlich schwerer wird. Das Head-up-Display hilft uns nicht verlässlich dabei, die Geschwindigkeit im Auge zu behalten, weil es mit polarisierten Sonnenbrillen nicht mehr sichtbar ist.

Aber so zeigt der E-Tron, dass er eigentlich ein ganz normales Audi-SUV ist, nur halt ein elektrisches. Auch optisch hebt er sich nicht von der restlichen Modellpalette ab, außer bei der äußerst gelungenen Rückleuchte, die sich quer über das gesamte Heck zieht.

CommentCreated with Sketch.0 zu den Kommentaren Arrow-RightCreated with Sketch. Nicht billig

Wir fuhren einen Audi E-Tron 55 Quattro, um genau zu sein. Der Wagen startet bei 83.740 Euro, doch bei uns sind noch einige Extras verbaut, wie die Assistenzpakete Stadt und Tour, das Head-up Display, Leder-Sportsitze, Panoramaglasdach und vieles mehr. Das ergibt unterm Strich heftige 114.539 Euro. Elektromobilität ist halt (noch) nichts für das kleine Geldbörserl.

Was dann aber angesichts der absoluten Summe verwundert, ist, dass doch recht viel Plastik und Hartgummi im Innenraum unseres E-Trons verbaut sind. Das stört das Premium-Feeling, dass man eigentlich vom Fahrzeug vermittelt bekommt: Die Technik ist wie bereits erwähnt von gewohnt hoher Audi-Qualität, die Software funktioniert vorbildlich, was Geschwindigkeit, Bedienung und Grafik betrifft.

Auch nicht ganz zufrieden sind wir mit dem Lenkrad, das viel zu groß geraten ist. Genauso wie die Sitze, bei denen sich der Seitenhalt nicht verändern lässt – trotz aufpreispflichtiger elektrischer Einstellbarkeit um 1.428 Euro. So ist uns der Sitz auch viel zu breit und in den Kurven nicht ideal. Vielleicht hatte Oma doch recht: Brav Knödel aufessen, dann wird man groß und stark und passt besser in einen E-Tron.

Drei Screens

Besonders gut gefällt uns aber, dass wir drei Bildschirme haben: Das volldigitale Display, das Infotainment-System und die Klimaanlage (mit ein paar Extra-Knöpfen). So hat man immer alles perfekt im Blick, kann den Wagen gut bedienen und auch noch etwas personalisieren.

Und das ist immer nett, wenn man viel Zeit im Auto verbringt. Das kann man nämlich mit dem E-Tron, obwohl er ein Elektrofahrzeug ist. Audi verspricht eine Reichweite von 400 Kilometern, was man realistischerweise aber höchstens in der Stadt schafft. Wer auch Autobahn und Landstraße ohne Abstriche bei der Geschwindigkeit benutzt, kommt auf 300 Kilometer.

Und das ist immer noch ein sehr guter Wert, vor allem für ein Auto mit 2,5 Tonnen Gewicht. Vor allem, wenn man auch ab und zu die beiden Elektromotoren kitzelt, damit sie zusammen eine maximale Systemleistung von 300 KW (408 PS) und 664 Nm Drehmoment ausspucken.

Unglücklicher Name

Dafür gibt es aber auch viel Platz bei 4,9 Meter Länge und einem Radstand von 2,93 Metern. 600 Liter passen in den Kofferraum, 60 vorne unter die Motorhaube. Wer also mit dem Preis kann, der bekommt ein wirklich gelungenes, alltagstaugliches Elektro-SUV. Und zwar auch noch das erste Serienfahrzeug, das mit 150 KW schnellladen kann.

Einzig beim Namen hat die Marketingabteilung wenig Geschick gezeigt: Auf deutsch oder englisch hört sich E-Tron ja ganz cool an. Auf französisch hingegen bedeutet der Name, nun ja, das was in die Toilette oder ins Gackerlsackerl kommt. Am besten selber googlen.

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