"The Nioh Collection" im Test: Der Tod kommt flüssiger

Es ist die erste Hardcore-Rollenspiel-Sammlung für PlayStation 5: "The Nioh Collection" bringt alle Serien-Inhalte als Remaster auf die neue Konsole.

"Dark Souls"-Fan, aber noch nie von "Nioh" gehört? Dann wird es höchste Zeit! Die beiden Titel "Nioh" und "Nioh 2" aus dem Hause Team Ninja bieten wie ihre Hardcore-Rollenspiel-Vorbilder in Form der drei "Dark Souls"-Games beinharte Third-Person-Gefechte, brutale Monster, furchterregende Bosse, Hunderte Items, Waffen und sogar Magie sowie Bildschirmtode am laufenden Band. Und das mit schnellerem Gameplay, als man es aus dem eher gemächlichen "Dark Souls" gewohnt ist.

Nach dem Start der Next-Gen-Konsole PlayStation 5 geht jetzt auch die "Nioh"-Serie in die nächste Generation. "The Nioh Collection" gibt es neu für die PS5, und die Sammlung ist so grandios wie kurios.  Einerseits bietet sie beide "Nioh"-Hauptspiele mit je drei Erweiterungen in einem Paket, andererseits handelt es sich auch um Remaster-Versionen der Spiel mit neuer Technik wie 4K und 120 fps. "Kurios" ist das deshalb, weil "Nioh 2" gerade erst im März 2020 erschienen war.

Originale als absolute Juwelen

Den Spieler jedenfalls freut es, sind doch beide Games schon als Original absolute Juwelen gewesen. "Nioh" spielt in der blutigen Sengoku-Epoche Japans, in der sich Clans um die Vorherrschaft im Reich bekriegen und das Land von dunklen Dämonen, den "Yokai" heimgesucht wird. In dieser Zeit übernehmen wir die Kontrolle über den herrenlosen Samurai William, der einen mächtigen Feind durch das Land jagt und dabei auf immer stärkere Dämonen und Monster trifft.

Jede gelernte Angriffabfolge, jeder besiegte Gegner, fühlt sich wie ein hart erkämpfter Erfolg an. Jede Angriffsmöglichkeit, jeder Gegenstand, jede Waffe hat ihre ganz eigene Bedeutung und ihren ganz individuellen Einsatzzweck. Während man bei vielen Spielen einfach an seiner Lieblingswaffe festhält, fordert "Nioh" dazu auf, Waffen zu wechseln und neue Angriffe auszuprobieren. Doch obwohl "Nioh" absolut fair ist, ist es von der ersten Sekunde weg beinhart und später unerbittlich.

Riesige Sprünge bei "Nioh 2"

Diese Härte ist eine Freude für Genre-Fans, die Teil 2 dann etwas schockte. Nach ebenso harten Anfangsminuten nahm vor allem eine Mechanik etwas der Härte von "Nioh 2" weg. Man kann nämlich entweder KI-Begleiter in den Missionen beschwören oder menschliche Mitspieler einladen – etwas, das im ersten Teil nur möglich war, wenn man eine Mission zuerst im Alleingang bewältigt hatte. Ausgeglichen hat dies Team Ninja dafür mit anspruchsvolleren Bossen im Endgame.

 Zum ausführlichen Spiele-Test von "Nioh" und "Nioh 2"

Neben neuen Waffen, neuer Ausrüstung und tonnenweise Items machte "Nioh 2" vor allem zwei riesige Sprung: Erstmals schlüpfte man nicht in die Rolle einer vorgefertigten Figur, sondern konnte sich seinen Charakter selbst kreieren. Und dieser konnte zudem neben Waffen auch die Fähigkeiten der Dämonen, so genannter Yokai, nutzen und sich selbst in ein Dämonenwesen verwandeln. Auf die Handlung hatte das keine Auswirkung, die Figur wurde geschickt in die Story gestrickt. Die spielt im Japan des 16. Jahrhunderts und inszeniert wieder einen epischen Kampf gegen Mensch und Dämon.

Legenden des Hardcore-Genres

Beide "Nioh"-Teile gelten bis heute als Legenden des Genres. Sie glänzen trotz "Dark Souls"-Vorbild mit eigenständigen Mechaniken, einer atmosphärisch dichten Handlung und bewundernswerten Umgebungen sowie spielerisch sehr komplexen Mechanismen, die einmal gemeistert ein fantastisches Erlebnis bieten. Dass auch gleich alle Erweiterungen im Paket sind, lässt in der Sammlung auch gleich die neuen Waffen von Beginn weg nutzen, die im original erst mit den späteren DLCs erschienen sind.

Kein Wunder, dass wir als Fans des Genres bisher bereits jeweils rund 300 Spielstunden in den beiden Teilen "versenkt" haben, ohne wirklich genug davon zu bekommen. Wer allerdings die beiden Originale gespielt hat, dem wird die überarbeitete Sammlung vielleicht nicht so viel geben, wie man vermuten könnte. Neben der 4K-Auflösung und einem flüssigen Spielerlebnis mit 120 Bildern pro Sekunde gibt es nämlich nicht allzu viele PS5-Neuerungen in "The Nioh Collection".

Die Neuerungen im Überblick

Mehr drinnen gewesen wäre jedenfalls bei der Einbindung des neuen DualSense-Controllers. Hier beschränkt sich das neue adaptive Feedback der Trigger-Tasten auf die Nutzung von Fernkampfwaffen und das neue Vibrationsfeedback wird bisher nur aktiv, wenn man durch zerstörbare Objekte in den Missionen läuft. Anders sieht es bei den Ladezeiten aus: Die sind kaum mehr vorhanden und das Springen von Mission zu Mission oder der Start des Spiels sind in Windeseile erledigt. Die Remaster bieten übrigens In-Game eine Option, um Spielstände der alten Versionen auf die PS5 zu übertragen.

Das funktioniert zum großen Teil gut, einige wenige Trophäen der neuen Versionen wollten dabei aber einfach nicht erscheinen und mussten im Game noch einmal "nachgeholt" werden. Grafisch fällt der Unterschied der neuen Remaster-Teile im vergleich zu den Originalen mit deutlich schärferen Details und etwas stärkeren Farben zwar auf, doch schon die Originale waren so hübsch, dass die Remaster-Grafik keine Offenbarung ist. Geboten werden nun als Grafikmodi der "Standardmodus", ein sehr stabiler 4K-Modus mit 60 fps und ein 120-fps-Modus, wobei letzterer nur mit kompatiblen TVs funktioniert.

Der Tod kommt flüssiger

Wer kann, sollte auf den 120-fps-Modus setzen, denn dies sorgt durch blitzschnelle Reaktionszeiten und einer durchgehend flüssigen Darstellung für ein noch genialeres Spielerlebnis, auch wenn die Grafikqualität in manch großen Levels etwas zurückgeschraubt wird. Etwas seltsam: Das Spiel beschreibt nicht, was der "PlayStation 5 Standardmous" genau macht. Feststellen lässt sich zwar eine bessere Darstellung von Lichteffekten und Reflektionen, das geht offenbar aber auf Kosten der Auflösung, weswegen wir den 120-fps-Modus als klaren Sieger der drei Modis küren.

Für wen die Sammlung in Frage kommt, ist ebenso ein kleines Mysterium, das wir aufklären wollen. Wer beide "Nioh"-Teile noch gar nicht gespielt hat und alle Inhalte sowie die neuesten Funktionen haben will, kann bedenkenlos zugreifen. Wem Teil 1 vorerst ausreicht, der kann ihn sich als Original günstiger holen, muss dabei aber auf das Remaster-Upgrade verzichten. Wer sich nur "Nioh 2" als original holt oder besitzt, kann es kostenlos auf die neue Version upgraden. Alternativ gibt es auch beide Teile separat als Remaster-Variante zu erwerben. Fazit: "The Nioh Collection" bietet das glanzvolle Gesamtpaket zweier großartiger und brutaler Games, das jeder Souls-Fan gespielt haben muss, deren PS5-Neuerungen jedoch überschaubar ist.

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