"The Suicide of Rachel Foster" im Test: Mystery-Hit

Nun dürfen auch die Switch-Zocker das Mystery-Abenteuer "The Suicide of Rachel Foster" erleben. Die Steuerung hakt etwas, der Rest ist grandios.

Entwickler One-O-One Games und Publisher Daedalic Entertainment haben das bereits für andere Plattformen erschienene "The Suicide of Rachel Foster" nun auch auf der Nintendo Switch veröffentlicht. Im Spiel schlüpft der Spieler in First-Person-Perspektive in die Rolle der jungen Frau Nicole, die dem Wunsch ihrer verstorbenen Mutter folgend das etwas düstere Familienhotel besucht. Dort hat sich vor Jahren Skandalöses zugetragen: Der Familienvater hatte ein Verhältnis mit Nicoles 16-jähriger Schulkollegin Rachel Foster.

Das startete einen tragischen Ablauf schicksalshafter Ereignisse: Nicole und ihre Mutter reisten eilig aus dem Hotel ab, Rachel Foster wurde schwanger und nahm sich kurz darauf das Leben und auch der Familienvater verstarb. Nun, Jahre später, hat Nicole das Hotel geerbt und soll ein letztes Mal in die verhassten Gemäuer zurückkehren, um es zu verkaufen. Da Nicole das Geld dringend für einen Studienkredit braucht und der Rest Rachels Familie helfen soll, geht die Hotel-Tour los.

Gefangen im gruseligen Hotel

Der Spieler startet in First-Person-Perspektive das Mystery-Abenteuer damit, auf ein Gutachten des Anwesens zu warten. Doch just im Gebäude angekommen, schneidet ein Schneesturm jeglichen Ausweg ab und der einzige menschliche Kontakt besteht telefonisch zu einem Mitarbeiter einer Nothilfe-Behörde namens Irving. Was anfangs wie eine Erkundungstour durch Zimmer, Hallen und Flure des Hotels anmutet, wird jedoch schnell zu einer Nervenprobe und einer Erinnerungstour.

Nach und nach tauchen Orte und Schauplätze auf der Spielkarte auf, die der Zocker besuchen und in Augenschein nehmen soll. Dabei geht es vor allem darum, das alte Gebäude wieder notdürftig in Betrieb zu nehmen, etwa für Wärme und Strom zu sorgen und den Gesprächspartner am Telefon nach Rat zu fragen. Die Aufgaben sind aber allesamt nicht langweilig, denn mit geschickten Gameplay-Elementen streuen die Entwickler jede Menge Mystery sowie etwas Horror und auch den einen oder anderen Jumpscare ein.

Unglaublich dichte Atmosphäre

Das Interessante dabei: Viele bis alle Vorgänge wie plötzliche Lichtausfälle, unheimliche Geräusche und zuknallende Türen schrecken uns zwar und bringen Schauergefühle auf, sind aber einfach durch Wind, Wetter und andere Einflüsse erklärbar. Sicher fühlt man sich trotzdem nicht, was das Game zu einem spannenden Titel macht, der diese dichte Atmosphäre über die gesamte Dauer halten kann. Besonders gruselig etwa: Passagenweise muss man sich den Weg durch das stockfinstere Hotel mit einem Kamerablitz ausleuchten. 

Je nach Schauplatz im Hotel wird der Spieler zudem immer wieder an die tragischen Ereignisse in der Vergangenheit erinnert. Dabei nimmt man dem Spiel den langsamen Wandel der widerwilligen Protagonistin hin zur interessierten Schnüfflerin durchaus ab. Auch der Spagat zwischen Preisgabe wichtiger Geschehnisse und dem Geheimhalten weiterer Informationen ist gut gelungen. "The Suicide of Rachel Foster" will man kaum aus der Hand legen, bis nicht alle Geheimnisse restlos aufgeklärt wurden. 

Toll trotz wenig Interaktion

Abseits der Hauptaufgaben gibt es im Spiel allerdings wenig zu tun. Kaum ein Objekt abseits der für die Missionen eingeplanten kann manipuliert, kaum ein Mechanismus abseits der vorgesehenen Vorgangsweise bedient werden und auch optionale Inhalte wie Nebenquests, Rätsel oder Minispiele gibt es nicht. Einzig einige zusätzliche Gesprächszeilen lassen sich aus Nicole und Irving bei ihren Telefonaten herauskitzeln. Will man etwas am Spiel kritisieren, dann sind es vor allem zwei Dinge: einerseits die Inhaltsarmut abseits der Hauptaufgaben, andererseits auch die hakelige Steuerung.

Die wackelige Kameraführung gepaart mit einer manchmal schleichend langsamen Fortbewegung unserer Hauptfigur ist anfangs etwas gewöhnungsbedürftig. Zwar kann Nicole auch Laufen, doch auch das wirkt seltsam aufgesetzt im Spiel. Andererseits gibt es auch keine Spieltode oder Fallen und Rücksetzpunkte, weswegen man die seltsame Fortbewegung schließlich hinnimmt und sich auf die eigentlich tolle Story konzentriert. Außerdem ein kleines Manko der Switch-Version: Texte lesbarer Dokumente werden am Konsolenbildschirm so klein und verschwommen dargestellt, dass sie beinahe unleserlich werden.

Spannender Thriller mit ernsten Themen

Je nach Spieltempo wird man mit "The Suicide of Rachel Foster" fünf bis zehn Stunden beschäftigt sein. Die Grafik kann sich dabei abseits der Notizen durchaus sehen lassen. Das Hotel erscheint knackscharf und detailreich, sogar für beeindruckende Lichteffekte ist gesorgt. Nur in größeren Entfernungen verschwimmen Möbel und Zimmer immer mehr, was man der Konsole aber gerne verzeiht. Top ist die Musik- sowie Sounduntermalung und die Sprachausgabe. Letztere erweckt das Abenteuer richtiggehend zum Leben und fesselt wie ein sehr gut gemachtes Hörbuch.

"The Suicide of Rachel Foster" ist insgesamt ein fesselndes Mystery-Abenteuer, das sich vor heiklen Themen nicht scheut und diese auch glaubwürdig rüberbringt. Dazu kommen eine tolle Soundkulisse und Sprachausgabe, eine ansprechende Grafik und eine interessante Handlung. Schade, dass das eher kurze Game nicht mehr spielerischen Freiraum bietet, denn das Niveau ist grandios. Mystery-Freunde werden sich aber dennoch für "The Suicide of Rachel Foster" begeistern und das Spiel immer mal wieder gerne zur Hand nehmen, denn auch der Wiederspielwert ist durchaus gegeben. 

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