The Town of Light: Wenn der Horror Realität ist

Bild: LKA
2016 veröffentlichte das Studio LKA The Town of Light für PC. Nun kommt eine neue Version für PC, Xbox One und PlayStation 4 auf den Markt.

Dabei will The Town of Light gar kein Horrortitel sein. Das Adventure erzählt die Geschichte der Protagonistin Renée, die als 16-jährige im Jahr 1938 ihrer Welt entrissen und ins Ospedale Psichiatrico di Volterra, eine italienische Nervenheilanstalt, eingeliefert wird. Jahre später, ebenso verwirrt wie neugierig, kehrt Renée an den Ort zurück, an dem sie in ihrer Jugend gequält wurde - und weckt die Geister der Vergangenheit.

"Den einzigen Horror, den Sie in diesem Spiel finden werden, ist die Wahrheit", sagt das Entwiklerteam beim Hands-On. Wieso? Das Ospedale Psichiatrico di Volterra ist nicht erfunden, es gab die Anstalt wirklich. Zu Spitzenzeiten beherbergte die Anstalt 6.000 Patienten, zumeist in Zellen statt Zimmern - bei hygienisch untragbaren Zuständen, inklusive qualvollen Behandlungen, Folter, Experimenten und der ständigen Gefahr, in Isolationszellen interniert zu werden. Kontakte von oder nach außen waren untersagt.

Verstörende Schilderungen

Wie in The Town of Light wurde die Anstalt auch in der Realität geschlossen, doch noch heute zeugen Betten und Rollstühle in den Gemäuern vom Schrecken, der hier hauste. Schockmomente, Blut und Gedärme, Monster - all das braucht The Town of Light nicht, um schrecklicher zu sein als tatsächliche Horrortitel. Im Hands-On stapfen wir bei traumhaften Sonnenlicht und zwitschernden Vögeln den Weg zum Hospital hoch und fühlen uns schon hier angespannt und unwohl.

Ohne das Spiel zu kennen, zeugen die Gemäuer von Misshandlungen und furchtbaren Geschehnissen. Patientenakten geben Einblicke in Foltermethoden, Skizzen an den Wänden lassen Elektroschocks, Komatherapien, Lobotomien und andere Behandlungen erahnen. Die Grafik wirkt realistisch, die Steuerung sorgt mit langsamen Bewegungen dafür, dass man dem Schrecken nicht schnell entkommen kann. Renée, im Deutschen gesprochen von der Let's-Playerin Tatjana Werth alias Pandorya, schildert Erlebnisse dabei ebenso vage wie verstörend.

Bemerkenswerte Atmosphäre

Während wir durch verfallene Gänge schlurfen, Skizzen betrachten und das Gebäude genauso wie die Vergangenheit erkunden, erklären die LKA-Verantwortlichen, dass die Architektur der Anstalt realistisch nachgebaut wurde. Das belegen auch Fotografien der echten Anstalt im Vergleich mit Screenshots mit dem Spiel. Bemerkenswert ist, dass es ebenso keine erkennbaren Ziele wie eine vorgefertigte Geschichte hat. Beide ergeben sich aus der Erkundung der Umgebung und sorgen dafür, dass jede Entwicklung unvorhersehbar ist.

Schon früh lässt The Town of Light seine bemerkenswerte Atmosphäre erleben. Es sind nicht nur die Fragen wie "Was ist hier passiert?" und "Was hat man mit mir gemacht?", die sich beim Erkunden stellen. Renée selbst wirft ebenso Fragen auf. Mal unbeeindruckt von verschwimmenden Wänden und sich unmöglich windenden und drehenden Gängen wechselt die Stimmung in banalen Momenten zu Panik, wenn Renées alte Puppe schnell ins Warme gebracht werden soll, weil sie friert.

Depression bis Wahnsinn

The Town of Light lässt den Spieler entscheiden, wie zurechnungsfähig er Renée beurteilt - und welche Richtung das Game nimmt. Vier Enden, von Depression bis Wahnsinn, können sich dabei offenbaren. Egal welchen Weg man nimmt, leichte Kost und ein seichtes Spiel für nebenher wird The Town of Light nicht sein. Wer aber Inhalte den Effekten und Erleben dem "Erzählt bekommen" vorzieht, wird wohl im doppelten Sinne unheimlich belohnt werden. (red)

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