Eigene Klinik gefordert

Essstörungen – nur 8 Spitalsbetten für Jugendliche

In Wien sind beträgt die Wartezeit auf eine Therapie bei Essstörungen teils Monate, für Kinder und Jugendliche gibt es stationär nur acht Betten.
Wien Heute
21.05.2026, 09:59
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Seit mittlerweile 20 Jahren gibt es in Wien-Alsergrund das privat finanzierte "intakt – Therapiezentrum für Menschen mit Essstörungen". Wie der ORF berichtet, ist das Angebot an Therapieplätzen für Menschen mit Essstörungen in Wien aber knapp.

"Wir behandeln alle Essstörungsbilder, anorektische Menschen, bulimische Menschen, mit Binge Eating oder adipöse Patientinnen", erklärt die Leiterin Katharina Venus in der ORF-Sendung "Wien heute".

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Mehr Betroffene seit der Pandemie

Zu den Patienten zählt auch Martin Reiter. Er leidet an Binge Eating, das sind wiederkehrende Essanfälle mit Kontrollverlust. "Betreffen tuts mich bestimmt seit ich 13 oder 14 bin und hat wirklich immer wieder schwere Probleme verursacht in meinem Leben. Auch weil das Krankheitsbild in der Öffentlichkeit einfach nicht klar ist." Ohne die Therapie, so Reiter, "glaube ich nicht, dass ich jemals mit einer Essstörung leben lernen könnte."

Essstörungen zählen zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei jungen Leuten. Seit der Corona-Zeit sind laut Studien deutlich mehr Menschen betroffen. In Wien müssen Jugendliche und Erwachsene auf einen ambulanten Therapieplatz aber oft monatelang warten.

Körperliche Folgen oft nicht bewusst

Im "intakt" finden bis zu 30 Erstgespräche pro Monat statt, die Wartezeit beträgt manchmal mehrere Wochen. Beim zweiten großen Zentrum für Essstörungen in Wien, dem öffentlich finanzierten "sowhat" in Rudolfsheim-Fünfhaus, wartet man auf ein Erstgespräch sogar mehrere Monate.

Für Essstörungen ist das zu lange, sagt Venus: "Die Gefahr ist vor allem auch die Chronifizierung der Störungsbilder, dass einfach somatische Folgen damit einhergehen. Und die Patientinnen und Patienten sind sich oft gar nicht bewusst, was das später auch körperlich für Folgen haben kann."

Nur acht Betten für Kinder und Jugendliche

Vor dieser Gefahr warnt auch Andreas Karwautz, Leiter der Essstörungsabteilung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie im AKH: "Wir haben für die Kinder und Jugendlichen in Wien acht Betten, wo wir im Prinzip nur schwer magersüchtige Patienten behandeln können – die anderen nicht, weil sich das einfach von den Ressourcen nicht ausgeht." Das Team setzt daher vor allem auf ambulante Betreuung zuhause.

Für Erwachsene ist die Versorgung noch schlechter, sagt Karwautz: "Es braucht schlichtweg eine Essstörungsklinik in Wien mit einer Ressource von mindestens 50 Plätzen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene für alle Essstörungen." Die Stadt baut derzeit vor allem die ambulante Versorgung für Jugendliche aus – für Erwachsene gibt es aber kaum neue Angebote.

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