Es beginnt oft leise: Ein ausgelassenes Essen hier, ein zwanghafter Gedanke dort. Was für Außenstehende harmlos wirkt, kann sich für Betroffene längst wie ein täglicher Kampf anfühlen. Essstörungen gehören zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Jugendlichen – und gleichzeitig zu jenen psychischen Krankheiten mit den größten körperlichen Risiken. Genau hier setzt ein neuer Ratgeber der MedUni Wien an.
Mit "Essstörungen. Erkennen – verstehen – überwinden" ist nun die neueste Ausgabe der Buchreihe "Gesundheit.Wissen" richtet sich das Buch an Betroffene, deren Familien, Lehrkräfte, medizinisches Personal und alle, die sich näher informieren wollen. Nach Asthma und Übergewicht zählen Essstörungen zu den häufigsten chronischen Erkrankungen bei Jugendlichen – mit der höchsten körperlichen Gefährdung unter allen psychiatrischen Erkrankungen.
Essstörungen entwickeln sich oft schleichend. Umso wichtiger sei es, Warnsignale früh zu erkennen, betont Karwautz. "Je besser Betroffene und Familien über das komplexe Krankheitsbild informiert sind, desto früher können Warnsignale erkannt und professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden", erklärt der Experte. "Früherkennung ist entscheidend – und sie gelingt nur mit Wissen."
Im Buch werden sämtliche Formen von Essstörungen nach dem WHO-System ICD-11 erklärt – von Magersucht (Anorexia nervosa) über Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) bis hin zur Binge-Eating-Störung. Auch weniger bekannte Krankheitsbilder werden thematisiert.
Das Buch beleuchtet auch den Einfluss moderner Schönheits- und Gesundheitstrends. Gerade soziale Medien können Druck erzeugen und problematische Verhaltensweisen verstärken. Zwischen "Clean Eating", Fitness-Hypes und unrealistischen Körperbildern verschwimmen oft die Grenzen zwischen gesundem Verhalten und krankhaften Mustern.
Info zum Buch:
"Essstörungen. Erkennen – verstehen – überwinden", Andreas Karwautz, MedUni Wien im MANZ Verlag, ISBN 978-3-214-26649-3, 228 Seiten, 28 Euro. Erhältlich im MedUni Shop im AKH Wien, im Buchhandel und online.
Neben medizinischen Fakten enthält der Ratgeber auch Erfahrungsberichte von Jugendlichen, die offen über ihre Erkrankung sprechen. Genau diese persönlichen Einblicke machen deutlich, wie belastend Essstörungen sein können – aber auch, dass Hilfe möglich ist.
Denn noch immer sind Essstörungen stark tabuisiert: Viele Betroffene schämen sich oder ziehen sich zurück. Das Buch will deshalb nicht nur informieren, sondern auch Verständnis schaffen und Barrieren abbauen.