In vier Absätzen die Hiobsbotschaft: Unter dem Titel "Nemak plant die Produktion im Werk Herzogenburg innerhalb der nächsten 12 Monate einstellen (sic!)" informierte der Konzern am 21. April über den Rückzug des Autozulieferers aus Niederösterreich.
Nemak, ein mexikanischer Großkonzern, stellt Motorblöcke, Zylinderköpfe und Bauteile aus Aluminium her, laut eigenen Angaben ist das Unternehmen "ein führender Anbieter innovativer Leichtbaulösungen für die globale Autoindustrie". 2019 beschäftigte der Konzern in 38 Werken in 16 Ländern rund 22.000 Mitarbeiter. Kunden sind internationale Automobilkonzerne.
Erst zum Jahreswechsel war die Werks-Übernahme von der zum Schweizer Industrieunternehmen Georg Fischer gehörenden GF Casting Solutions abgewickelt worden.
"Für uns war es schon überraschend, viele fragen sich, warum man ein Werk übernimmt und dann zwei Monate später zusperrt", sagt Martin Bunzengruber, Betriebsratsvorsitzender von Nemek am Standort Herzogenburg, im "Heute"-Gespräch.
Seitens des Unternehmens hieß es, dass sich die Aussichten "angesichts der jüngsten Marktentwicklungen" und "anhaltend niedriger Produktionsvolumina" derart verschlechtert hätten, dass man das Werk in Herzogenburg "bis zum Ende des ersten Quartals 2027" schließen müsse. Das Werk beschäftigt derzeit insgesamt rund 330 Mitarbeiter.
Für Bunzengruber enttäuschend: "Natürlich war die finanzielle Lage schon bekannt. Aber die Mitarbeiter haben immer ihr Bestes gegeben. Hier gibt es auch Versäumnisse aus der Vergangenheit." Aufträge an Land zu ziehen, sei in erster Linie Aufgabe "der Geschäftsleitung".
Am Dienstag, 28. April, wurde eine Betriebsversammlung abgehalten, die Mitarbeiter wurden informiert, dass man für einen Sozialplan in Verhandlung mit der Geschäftsführung gehen werde.
Bunzengruber zur Werk-Schließung: "Es trifft sehr viele Familien, auch Mitarbeiter, die 40, 45 Jahre hier da sind. Es trifft sehr viele hart."
Auch von Gemeindeseite hieß es vor wenigen Tagen: "Im Februar haben wir noch eine Lehrlingsprämierung gehabt. Hier sind Familien über Generationen beschäftigt gewesen, das trifft uns enorm", sagte Bürgermeister Christoph Artner (SP) zu "Heute". Am Standort in der Wiener Straße seien noch drei weitere Unternehmen aus der Metallindustrie angesiedelt: "Vielleicht können hier Mitarbeiter unterkommen", so die Hoffnung.
Und der Bürgermeister betonte: "Der angekündigte Verlust von rund 330 Arbeitsplätzen stellt für unsere Stadt in mehrfacher Hinsicht einen herben Schlag dar. Hinter dieser Zahl stehen 330 individuelle Schicksale – 330 Menschen und Familien, die nun mit großer Unsicherheit konfrontiert sind, was ihre berufliche Zukunft betrifft, vielfach verbunden mit Existenzängsten."
Nicht nur in Herzogenburg, auch in Ebergassing sind über 300 Mitarbeiter betroffen: Hier schlitterte der Autozulieferer Eitek GmbH in Konkurs.