Erschießen Österreicher jetzt wirklich Wolfseltern?

Tierschutzorganisation Pfotenhilfe erstattet nun Anzeige gegen Behörde und Täter, wenn Wolfseltern erschossen werden sollen.
Tierschutzorganisation Pfotenhilfe erstattet nun Anzeige gegen Behörde und Täter, wenn Wolfseltern erschossen werden sollen.©iStock, Bildmontage Heute
In Tirol wird der "böse" Wolf sogar Wahlkampfthema. Ein Tier, das wir an den Rand der Ausrottung gebracht haben, soll nun wieder verschwinden?

"Wenn hier tatsächlich - behördlich verordnet - Wolfseltern erschossen werden, deren Junge noch lange nicht selbstständig lebensfähig sind, werden diese qualvoll sterben, und das ist eindeutig vorsätzliche Tierquälerei und mutwillige Tötung, wie sie im §222 des Strafgesetzbuches beschrieben ist. Deshalb werden wir im Falle einer solchen Straftat sowohl die Behördenvertreter als auch die Täter anzeigen", kündigt Jürgen Stadler von der Tierschutzorganisation Pfotenhilfe in Lochen an. Da können Zoologen und Experten sich den Mund in Fransen reden, der Wolf scheint sein Image bei der ländlichen Bevölkerung einfach nicht aufbessern zu können. Aber, muss er wirklich sterben?

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Paradoxon "Wolf"

Wir hatten den Wolf und den Bären erfolgreich in Österreich ausgerottet und vertrieben. Blöd also, dass sich jetzt Jäger vielleicht als "überbewertet" herausstellen würden, wenn die natürlichen Feinde von Reh, Hirsch, Wildschwein, Hase & Co sich wieder ansiedeln und noch blöder, wenn sich das Wildtier als intelligenter als vermutet herausstellt und sich hin und wieder am "offenen Buffet" bei den Schafen und Ziegen der Hirten und Schäfern labt. (Kurze Anmerkung: Landwirte bekommen jeden Schaden sofort ersetzt!)

Tierschützer sehen ROT

"Ethisch gesehen ist es ohnehin vollkommen unverantwortlich, eine derartige unmenschliche und barbarische Gräueltat zu begehen. Stellen Sie sich vor, man würde Hunde mit ein paar Wochen von ihren Eltern trennen und nicht mehr füttern. Dasselbe muss natürlich für Wölfe gelten. Wozu haben wir in Österreich ein aufwändiges Wolfsforschungszentrum, wenn dessen Erkenntnisse dann von den Verantwortlichen ignoriert werden? Erst nach sechs Monaten sind junge Wölfe in der Lage - wohlgemerkt im Rudel, gemeinsam mit ihren Eltern - zu jagen. Wenn sie im Mai geboren sind, werden sie also elend verhungern", so Jürgen Stadler weiter.

Es gäbe genügend Lösungen zur Koexistenz mit dem Wolf, die viele Länder seit jeher vormachen. Hüte- und Herdenschutzhunde könnten wieder die Schafe bewachen und nicht nur im Agility im Kreis rennen, denn eines steht fest: Für das Ökosystem ist der Wolf ein großer Gewinn und kein Jäger sieht so genau, welches Wild krank und hilflos ist, wie ein Raubtier.

Warum dürfen sie nicht leben?

"Die jetzt zum Abschuss freigegebenen Wolfseltern sind offenbar aus Nachbarländern zugewandert. Woher sollen diese in Europa heimischen Tiere Grenzen kennen und warum sollten sie sie beachten? Es handelt sich um geschützte Wildtiere, die einfach nur leben wollen, wie alle anderen auch. Warum kann ein Land wie Österreich, das sich für die Schönheit der Natur und seine Nationalparks rühmt, diese nicht einfach in Ruhe lassen, so wie unsere Nachbarländer auch?", fragt Stadler abschließend.

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