Elektroschocks, Schläge, Gewalt: Tierschützer werfen Politik und Amtstierärzten Versagen vor! Misshandlungen an Tieren in steirischem Skandal-Schlachthof wurden schon vor Jahren aufgedeckt.
Der steirische Schlachthof Ramsauer macht nach dem Gammelfleisch-Skandal erneut von sich reden, nachdem ein heimlich gefilmtes Video aus dem Schlachthof vom VGT (Verein gegen Tierfabriken) veröffentlicht wurde. "Heute" berichtete.
Auf dem Video zu sehen sind Schweine, die von Schlachthof-Mitarbeitern getreten, geschlagen und willkürlich mit Elektroschocks malträtiert werden. "Heute"berichtete. Die Aufnahmen aus 2019 ähneln sehr stark jenen, die Tierschützer bereits im Jahr 2015 veröffentlichten.
„Es ist absolut schockierend, wie ähnlich die Aufnahmen aus 2015 zu denen von diesem Jahr sind...", so David Richter, Vizeobmann vom VGT (Verein gegen Tierfabriken), der den Betrieb seit Jahren kennt.
Bereits im Jahr 2015 veröffentlichte der VGT Aufnahmen aus dem Schlachthof. Zu sehen sind ähnliche Misshandlungen an Schweinen, wie in dem Video von 2019. Die Mitarbeiter schlagen und treten die Tiere, setzen Elektro-Schocks ein, um die Schweine in eine Kohlendioxid-Grube zu hetzen, in der sie langsam ersticken.
„"Wenn wir den Veterinär_innen dort nicht vertrauen können, wenn sie bei Tierquälerei wegsehen, oder sich trotz der Anwesenheit der Tierärzt_innen nichts ändert, dann haben wir ein gewaltiges Problem!"“
, so Richter bestürzt.
Wie in dem Video von 2019 soll auch vor vier Jahren ein amtlicher Tierarzt anwesend gewesen sein und nichts gegen die Misshandlungen unternommen haben, kritisiert der VGT. Die "Untätigkeit der amtlichen Schlachthoftierärzt_innen" kritisiert der VGT scharf. „Kaum sonst wo müssen Tierschutz und die Einhaltung der Gesetze zum Schutz der Tiere vor grober Misshandlung so genau kontrolliert werden wie in Schlachthöfen", so Richter.
Derzeit ist der Schlachthof zwar geschlossen und es laufen Ermittlungen gegen den Betreiber ("Heute" berichtete), beunruhigt ist Richter dennoch. Denn geschlossen wurde der Schlachthof nicht wegen der Vorwürfe von Tierquälerei sondern wegen des Verkaufs von Gammelfleisch.
„„Es gibt bereits Gerüchte, dass der Schlachthof wieder geöffnet werden soll. Vielen Menschen ist es ein dringendes Anliegen, dass ein solcher Skandalbetrieb nicht wieder den Betrieb aufnimmt"“
, schildert Richter.
Der VGT erstattete auch im aktuellen Fall sowohl Anzeige gegen den Betreiber des Schlachthofes als auch gegen die Tierärzte.
„„Das Wichtigste ist, dass sich so etwas nicht wiederholt! Amtliche Tierärzt_innen in Schlachthöfen müssen solches Tierleid dringend melden und im Zweifel auch direkt abstellen"“
, fordert der VGT. Letztlich müsse auch die Politik ihre Konsequenzen ziehen.
Auf Nachfrage von "Heute" bei BH-Leibnitz Chef Manfred Walch, heißt es, der Schlachthof sei Walch seit Jahren "bekannt". Aufgrund von "gewissen nicht zufriedenstellenden Abläufen" habe man immer wieder "mit ihm zu tun gehabt". Der Betrieb habe sich in den letzten Jahren vergrößert, damit gingen "aufwendige Bewilligungsverfahren" einher.
"Es wird jetzt ein Verfahren nach dem Tierschutzgesetz eingeleitet", bestätigt Manfred Walch.
VGT fordert in einer aktuellen Petition: "Eine lückenlose Ermittlung der aktuellen Vorwürfe gegen die Schlachthofmitarbeiter sowie gegen die beteiligten amtlichen Tierärzte vor Ort. Eine Verbesserung des Schlachthof-Kontrollsystems sowie eine jährliche, transparente Offenlegung der Kontrollergebnisse und etwaiger Strafen. Eine dauerhafte Schließung des Skandalbetriebs."
Video aus 2015
Video aus 2019