Ukraine

Tigran (16) nimmt vor Gewalt-Tod per Video Abschied

Der Ukrainer Tigran (16) wurde von Russen gefangen und gefoltert. Wieder frei, nahm er den Kampf gegen die Besatzer auf und kam dabei ums Leben.
28.06.2023, 16:29
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"Das ist es. Es ist der Tod, Leute. Lebt wohl! Ruhm der Ukraine!" Mit diesen Worten nahm der 16 Jahre alte Tigran Ovanissian in einem Video Abschied von seinen Freunden und der Familie – wohl wissend, dass sein Vorhaben nur mit dem Tod enden konnte. Denn der ganze Hass des Schülers aus dem von Russland okkupierten Berdjansk richtete sich gegen die Besatzer: Der 16-Jährige hatte beschlossen, sich ihnen mit der Waffe entgegenzustellen. Das Video des Jungen ging nach seinem Tod viral – und wurde von etlichen Medien im In- und Ausland aufgenommen.

Tigran und sein gleichaltriger Freund Nikita waren nach der Eroberung von Berdjansk im Februar 2022 durch die Russen ins Visier der Besatzer geraten und wurden im September festgenommen und verhört. Fünf Tage lang wurden sie gefoltert und mit Elektroschocks traktiert – man hatte sie verdächtigt, einen Sabotageakt auf eine Eisenbahnstrecke geplant zu haben. Russische Soldaten führten Tigran auf ein Feld, wo sie ihm eine Pistole an den Kopf drückten und drohten, ihn hinzurichten. Die Verhaftung und Folter der Teenager wurde in der Folge sogar vor rund zwei Wochen vom Europaparlament thematisiert und in einer Resolution scharf verurteilt. Mit Berufung auf die UN-Menschenrechtskonvention wurde die sofortige Freilassung und Begnadigung der beiden Jugendlichen gefordert.

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Von Russen der Sabotage angeklagt

Nach der Freilassung von Tigran und Nikita am 5. Oktober 2022 wurden sie unter Hausarrest gestellt und mussten sich jeden Tag auf der Polizeiwache melden. Doch das hielt die beiden nicht davon ab, sich im Kampf gegen die verhassten Russen zu engagieren. Tigran, der sich sofort nach Kriegsbeginn bei der ukrainischen Armee beworben hatte, aufgrund seines jugendlichen Alters aber abgelehnt wurde, träumte von einer Karriere beim Militär und hatte sich von seinem Taschengeld Tarnkleidung gekauft, wie seine in Deutschland lebende Mutter berichtet. Nach seiner Freilassung beschloss er, Guerillero zu werden – genau das, was ihm seine Folterer vorgeworfen hatten.

Im vergangenen Monat wurden Tigran und Nikita offiziell der Sabotage angeklagt und erwarteten die Gerichtsverhandlung. Doch soweit sollte es nicht kommen: Die beiden Teenager tauchten vor ihrer neuerlichen Verhaftung unter, um den Kampf aufzunehmen. Am Samstag wurden sie schließlich bei einem Feuergefecht mit russischen Sicherheitskräften getötet. Laut den russischen Besatzern sollen sie zuvor zwei Polizisten erschossen haben.

"Lebt wohl. Ruhm der Ukraine!"

Unmittelbar bevor sein junges Leben ein jähes Ende nahm, hatte sich Tigran noch selbst gefilmt – der Clip zeigt ihn, wie er in einem von Trümmern übersäten Gebäude sitzt und eine Kalaschnikow in den blutigen Händen hält. "Lebt wohl", sagt er darin mit zitternder Stimme. "Es ist klar, das ist der Tod. Ruhm der Ukraine!" Das Video fand den Weg in die sozialen Medien und löste viele Emotionen aus.

In einer Audiobotschaft bat Tigran darum, dass seine Mutter benachrichtigt wird. "Sagt ihr, dass ich sie sehr liebe", sagte er. "Ihr Name ist Xenia Starovera. Bitte findet sie."

Nun trauert die Ukraine um Tigran und Nikita, die am Samstag durch russische Kugeln starben. Für viele gelten sie als Helden, die beispielhaft für den ukrainischen Widerstandswillen stehen. Tigrans Mutter hat bereits darum ersucht, dass ihr Sohn und Nikita nach der Befreiung von Berdjansk in vollen militärischen Ehren bestattet werden.

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