Süchtig nach Likes

Tinder-Sucht! Mann swiped 500 Mal am Tag 

Ed Turner hatte einen Nervenkitzel, wenn Frauen seinem Profil ein "Like" gaben. Daraus wurde eine Sucht, die ihn in Therapie brachte. 

Heute Life
Tinder-Sucht! Mann swiped 500 Mal am Tag
Wer einen Partner sucht, findet ihn heute (meist) im Internet. 
Patrick Sison / AP / picturedesk.com

Das Dating hat sich heutzutage ins Internet verlagert. Wer einen Partner sucht, braucht eine (oder mehrere) Dating-Apps am Smartphone. Man legt einen Account an, gibt an wer man ist, wonach man sucht – et voilà! Schon ist man dabei. Wer gefällt, wird nach rechts gewischt (geswiped), wer nicht gefällt, nach links. Eine nette Beschäftigung, wenn man grad ein paar Minuten Zeit hat. Wohin das unpersönliche Swipen führen kann, zeigt der Fall des heute 27-jährigen Ed Turner. Seine Tinder-Sucht brachte ihn in Therapie. 

Nicht auf der Suche nach Dates, sondern...

Seine Probleme begannen fast unmittelbar nach dem Herunterladen der Apps. Turner lud die App erstmals 2015 herunter, als er 18 Jahre alt war, obwohl er nicht die Absicht hatte, sich zu verabreden oder eine Freundin zu finden. Er suchte etwas anderes:  Zu wissen, dass Frauen ihn attraktiv finden. Davon konnte er nicht genug bekommen. Das erste, woran Ed Turner beim Aufwachen dachte, waren seine Dating-Apps. Daran, jede einzelne Frau, die auf seinem Handybildschirm erschien, nach rechts zu wischen. Nur "etwa fünf Prozent" der Frauen, die er nach rechts wischte, gaben ihm auch ein Like, und noch weniger begannen ein Gespräch. "Wenn eine Person nicht auf mich reagierte oder mir gar nicht erst eine Nachricht schickte, war ich am Boden zerstört", erzählt er. "Ich hatte Hochs, wenn ich viele Matches mit Leuten bekam, die ich attraktiv fand, aber darauf folgte immer ein Absturz, weil es nicht nachhaltig ist."

"Schaufensterbummel"

Auf dem Höhepunkt seiner Nutzung hatte er Tinder, Bumble und Hinge auf sein Telefon geladen, er sprach mit 10 Frauen gleichzeitig und ging einmal pro Woche zu einem Date. Obwohl er Frauen zum Abendessen einlud, fand er keinen Gefallen daran. Er wollte sie nur bei der Stange halte, sodass sie weiterhin mit ihm reden. "Ich konnte nicht sagen, wonach ich wirklich gesucht habe. Ich wusste, dass ich irgendwann mit den Frauen über ein richtiges Date sprechen musste. Als es dann so weit war, war ich fast desinteressiert." Laut Turner waren die Apps wie ein "Schaufensterbummel" – er wischte bei jeder Frau, die er sah, nach rechts – egal ob er sie attraktiv fand oder nicht – und entschied später, ob er sie mochte, wenn sie ihn ebenfalls likte.

3 Stunden swipen am Tag

Bis zu drei Stunden pro Tag verbrachte Turner mit dem Swipen und bezahlte sogar für Monatsabonnements, die ihm eine unbegrenzte Suche ermöglichten. Er hörte schließlich nach sechs Jahren mit den Apps auf, als er 2021 seine erste einjährige Beziehung einging (die er offline kennenlernte!). Aber wie bei jeder anderen Sucht, dachte er immer noch täglich ans Swipen, was ihm das Gefühl gab, ein "schlechter" Partner zu sein. "Ich habe nichts getan und nie mit Frauen gesprochen, während ich in dieser Beziehung war, aber das Hochgefühl war weg".

In Therapie

Er begab sich wegen seiner Sucht in Therapie. "Diese Apps beeinflussten meine gesamte Stimmung und Persönlichkeit", sagt er rückblickend. Sein Therapeut riet ihm, mit den Apps Schluss zu machen. Aber jedes Mal, wenn er versuchte, damit aufzuhören, hielt er einen Monat durch, bevor er rückfällig wurde und die Apps erneut herunterlud.

Je mehr er die Apps nutzte, desto mehr verlor er die Fähigkeit, soziale Kontakte zu knüpfen, und verfiel monatelang in Depressionen, so dass er sich hilflos fühlte, weil er nicht wusste, wie er mit den Frauen, mit denen er sich getroffen hatte, reden sollte. Die Bestätigung durch andere war das Einzige, das ihn am Leben hielt. Zu dieser Zeit nutzten viele seiner Freunde ebenfalls die Apps und sahen seine Nutzung nicht als Problem an. Erst vor 18 Monaten gab er Freunden gegenüber zu, dass er Probleme hatte.

Borderline-Störung und Depressionen

Inzwischen wurde Turner mit einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und Depressionen diagnostiziert. Er weiß nun, dass das Ausbleiben von Antworten von Frauen seine Angst vor dem Verlassenwerden vergrößert und seine depressiven Verstimmungen verschlimmert hat. Aber selbst nach einem Jahr Therapie fällt es Turner immer noch schwer, von den Apps loszukommen. Erst vor ein paar Monaten hat er 60 Pfund für ein dreimonatiges Bumble-Abo ausgegeben. Inzwischen hat er jedoch aufgehört, bei jeder Frau, die er sieht, nach rechts zu wischen. 

Auf den Punkt gebracht

  • Ed Turner, 27, wurde süchtig nach Dating-Apps wie Tinder, Bumble und Hinge, wobei er täglich bis zu drei Stunden mit dem Swipen verbrachte und sogar für Monatsabonnements zahlte, die ihm eine unbegrenzte Suche ermöglichten
  • Diese Sucht führte zu Problemen, wie einer Borderline-Persönlichkeitsstörung und Depressionen, und brachte ihn schließlich in Therapie
  • Trotzdem fällt es ihm selbst nach einem Jahr Behandlung immer noch schwer, von den Dating-Apps loszukommen
red
Akt.
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