Im Juni 2023 implodierte das Tauchboot Titan auf dem Weg zum Wrack der Titanic in rund 3.800 Metern Tiefe. Alle fünf Insassen kamen dabei ums Leben. Nun hat die kanadische Verkehrssicherheitsbehörde TSB ihren offiziellen Untersuchungsbericht veröffentlicht - und der fällt vernichtend aus.
Die Betreiberfirma OceanGate habe die Annahmen über Material und Konstruktion des Tauchboots nie überprüft. Damit war völlig unklar, wie viele Tauchgänge die Kohlefaserhülle überhaupt aushalten würde.
Wie heise.de berichtet, verwendete OceanGate für die Titan billige Ausschussware, die beim Flugzeugbauer Boeing durchgefallen war. Das bekannt schlechte Material wurde dann auch noch unsachgemäß verbaut, gelagert und transportiert.
Beispielhaft für die mangelhafte Sicherheitskultur: Die Titan hatte keine von innen zu öffnende Luke. Außenstehende mussten Schrauben entfernen, um die Insassen aussteigen zu lassen. Auch gab es kein System, um die Titan unter Wasser zu orten.
Theoretisch war der Einsatz von Tauchrobotern vorgesehen, sollte die Titan nicht selbstständig auftauchen können. Doch es gab keine Verträge mit Betreibern passender Tauchroboter. Dabei war die Lebenserhaltung auf nur 96 Stunden begrenzt.
Laut dem rund 135 Seiten langen Bericht wurden bei jedem Tauchgang neue Schäden an der Titan festgestellt. OceanGate war jedoch aufgrund interner Strukturen nicht in der Lage, darauf angemessen zu reagieren. Mitarbeiter, die auf Sicherheitsrisiken hingewiesen hatten, verließen das Unternehmen oder wurden gekündigt.
Einer erstattete sogar Anzeige bei der US-Arbeitssicherheitsbehörde OSHA, wurde durch eine Klage von OceanGate aber zum Schweigen gebracht. Zum Zeitpunkt des Unglücks hatte die Firma keinen Entwicklungsleiter mehr.
Ein zentrales Problem: Für Tauchboote wie die Titan gibt es bis heute keine verpflichtenden internationalen Vorschriften. Die Titan war nirgends registriert - einen Anlauf zur Registrierung auf den Bahamas brach OceanGate ab, nachdem die Behörde Voraussetzungen erklärt hatte.
TSB-Chef Yoan Marier warnte eindringlich: "Wenn diese Lücken nicht geschlossen werden, besteht Lebensgefahr." Die Behörde fordert eine bessere nationale und internationale Zusammenarbeit bei der Regulierung und Überwachung von Tauchbooten.