Not geht ans Herz

Tochter bietet armem Papa 5 € Taschengeld für Miete an

Andreas H. ist einer von vielen, die durch die Inflation in extreme finanzielle Not geraten ist. Das zeigt die Puls4-Doku "Land der Schulden".
Sandra Kartik
16.11.2023, 05:30
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Der große Lebenstraum von Andreas H. ist geplatzt. Der 59-Jährige wollte für seine Familie ein bescheidenes Eigenheim in Peggau (Stmk.) kaufen. Doch inzwischen ist er von seiner Frau getrennt und hat kein Geld mehr. Die Inflation, aber vor allem die extrem gestiegenen Kreditzinsen, haben den Steirer in den finanziellen Ruin getrieben.

In der Puls4-Doku "Land der Schulden" (Donnerstag, 20:15 Uhr auf Puls 4 & JOYN) wagt er den Schritt an die Öffentlichkeit, weil er sein Schicksal mit immer mehr Österreichern teilt. Er schildert, wie schnell es gehen kann, in die Privatinsolvenz zu rutschen: "Wenn man sein Leben lang alles im Griff gehabt hat und unverschuldet in diese Situation gekommen ist, hat man keine Erfahrung. Man versucht so lange wie möglich, zu retten, was geht."

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Steirer verliert Wohnung und Ehe

Der Steirer hatte vor sieben Jahren einen Fremdwährungs-Kredit in Schweizer Franken aufgenommen, um eine Wohnung in seiner Heimatgemeinde zu kaufen, die damals 125.000 Euro wert war. Seither wurde der Leitzins durch die Europäische Zentralbank (EZB) kontinuierlich angehoben. Im September stand er bereits auf 4,5 Prozent.

Zusammen mit der hohen Inflation hat sich die Situation für Andreas H. nun schnell zugespitzt. Seine Kreditschulden, die er für den Kauf der Wohnung aufgenommen hat, sind rasant in die Höhe geschossen: Er soll 220.000 Euro zurückzahlen, die er nicht hat. "Das ist ganz schlimm", sagt der 59-Jährige traurig. Nach der Trennung von seiner Frau vor einem Jahr versuchte er, die Wohnung zu verkaufen. Sie wurde von einem Makler auf 185.000 Euro geschätzt. Doch durch die Geldentwertung wird sie nun nur mehr um etwa 100.000 Euro einen neuen Besitzer finden. "So hat sich der traurige Wohnungsmarkt entwickelt."

Tochter bot ihm ihr Taschengeld an

Selbst für die neunjährige Tochter des Steirers war die bedrückende Situation nicht mehr tragbar. "Sie hat gesagt: 'Papa, ich gebe dir fünf Euro Taschengeld, was du mir sonst immer gibst, dass du dir die Wohnung leisten kannst." Die Zwangsversteigerung wurde dennoch für Andreas H. unausweichlich. "Ich habe meine ganzen Ersparnisse reingesteckt und verbraucht", sagt er zerknirscht. 

Die Bilder des Tages

Die Wohnung ist inzwischen weg, sein Vermögen auch. "Ich habe nur mehr aus den Restbeständen gelebt, weil kein Geld mehr da war." Dann wandte er sich an die Schuldnerberatung, weil er nicht mehr weiter wusste. Wenn die Privatinsolvenz eröffnet wird, bleiben dem Familienvater nur mehr 200 Euro pro Monat zu essen und trinken. Der Rest geht für Fixkosten drauf. Er will weiter kämpfen, um seiner Tochter ein möglichst angenehmes Leben bieten zu können.

{title && {title} } sk, {title && {title} } Akt. 16.11.2023, 07:03, 16.11.2023, 05:30