"Boden war voll Blut"

Todesschuss in Copy-Shop: 15 Jahre Haft für 34-Jährigen

Ein 38-Jähriger wurde in einem Geschäft in Wien-Simmering erschossen. Der Angeklagte sprach von einem Unfall – die Geschworenen von Mord.
Wien Heute
31.01.2024, 18:54
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Fortsetzung im Prozess gegen einen 35-jährigen Iraner am Wiener Landesgericht. Yusof A. soll am 7. Mai 2023 einen Landsmann (38) in seinem Copy-Shop in der Simmeringer Hauptstraße erschossen haben. "Aus purer Geldgier", wie es in der Anklageschrift heißt. 

Geplantes Geschäft

Der 35-Jährige war im Jahr 2015 als Flüchtling nach Österreich gekommen, galt als gut integriert. Das spätere Opfer lernte er angeblich über die Chat-App Telegram kennen. Gemeinsam mit seiner Frau (26) wollte er mit dem 38-Jährigen eine "Hawala"-Finanztransaktion machen – auf diese Weise wird Geld verschoben, um die Bank-Sanktionen gegen den Iran zu umgehen. Schon bei der Planung kam es dabei aber zu einem lautstarken Streit, dieser eskalierte dann angeblich am Tag der Tat. Der Angeklagte soll bei der Überweisung 7.000 Euro unterschlagen haben, um Schulden zu zahlen. Er bestreitet den Vorwurf. 

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"Boden voll Blut"

Am Mittwoch (31.1.) ging es nun darum, wie es zu dem tödlichen Schuss kam. Für die Staatsanwältin handelt es sich um ein vorsätzliches Tötungsdelikt. Der Angeklagte, verteidigt von Anwältin Astrid Wagner, bestritt das bereits zu Beginn des Prozesses vehement. Er sei zuerst mit der Waffe bedroht worden, dann sei es zu einem Gerangel gekommen. Dabei habe sich ein Schuss gelöst. Alles sei "ein Unfall" gewesen. Laut einem Untersuchungsbericht kann das nicht ganz ausgeschlossen werden. Auch die Ehefrau des Verdächtigen konnte die Tat nicht aufklären. Der Boden sei voll Blut gewesen, sie habe noch immer Albträume davon. 

Vieles liegt noch im Dunkeln

Vieles liegt in dem Fall noch im Dunkeln. Wem die Pistole gehört, ist unklar, Produktionsnummer und sonstige Erkennungsmerkmale wurden maschinell entfernt. Auch wie die Männer miteinander ins Geschäft kamen, liegt im Trüben. Klar ist hingegen, dass der Copy-Shop-Betreiber hoch verschuldet war. Die letzten Mieten und Leasingraten für seinen Audi Q5 blieb er schuldig. Im Frühjahr 2023 borgte er sich angeblich immer wieder Geld von Bekannten aus.

Bis zu lebenslange Haft droht

Das Opfer plagten Zweifel an dem geplanten Geschäft mit dem Copy-Shop-Betreiber. "Mein Ehemann sagte zu mir, ihm komme der Mann so verdächtig vor." Daraufhin verlangte der 38-Jährige sein Geld zurück, als sie es im Geschäft nachzählten, fehlten 7.000 Euro. Am frühen Abend zogen sich die Geschworenen dann zur Beratung zurück und sprachen sich mit 6:2 für Mord aus. Das nicht rechtskräftige Urteil: 15 Jahre Haft.

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