Entsetzen in NÖ

Todkranke Mutter starb – dann wurde sie fotografiert

Eine Frau (62) verlor ihre schwerkranke, betreute Mutter (84). Da es am Sonntag war, kam anstatt der Bestattung zuerst mal die örtliche Polizei. 
13.11.2023, 05:30
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Trauriger und ärgerlicher Sonntag für eine 62-Jährige: Ihre 84-Jährige Mutter aus Krems litt an Morbus Boeck (Anm: Entzündungen fast aller Organe) und anderen Erkrankungen, lebte in einer betreuten Einrichtung und brach sich dazu noch die Schulter. Die Tochter reiste schließlich extra nach NÖ, um im Fall der Fälle bei ihrer geliebten Mutter zu sein und ihre Mutter nach ihren Wünschen bestatten lassen zu können. 

Und an einem Sonntagmorgen schloss die Pensionistin für immer ihre Augen, das Hilfswerk informierte schließlich die 62-Jährige. "Wir haben bereits Bestattung und Polizei informiert", meinte die Mitarbeiterin des Hilfswerk zur 62-Jährigen. Keine fünf Minuten später sei die Exekutive vor Ort gewesen. "Meine Mutter wurde fotografiert und mir wurden unangenehme Fragen gestellt", ärgert sich die 62-Jährige.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Eigentlich ein Skandal“

Nach rund einer halben Stunde kam ein Amtsarzt, stellte den Tod der Pensionistin fest, dann nahm die städtische Bestattung den Leichnam zwecks Kühlung mit.

Lesen Sie auch: "Notsituation" - Leiche muss im Spital gelagert werden

Erst zwei Tage später konnte Jörg Bauer von der Lichtblick GmbH (ein privater Bestatter) die Leiche der 84-Jährigen abholen. Die hinterbliebene Tochter bekam dennoch eine Rechnung über vier Tage Kühlung (obwohl nach zwei Tagen abgeholt von Lichtblick GmbH, Amn.).

Für Bestatter Jörg Bauer ist der Umgang absolut nicht in Ordnung. Denn das in so einem Fall die Polizei kommt und für die Bestattung Nacht- und Wochenenddienste übernehme, ist für den Bestatter der eigentliche Skandal. "Das ist für Hinterbliebene ein nicht zumutbarer Wahnsinn."

„Wenn zum Abschied die Polizei mit Fotoapparat erscheint, empfinde ich das als pietätlos“
Jörg BauerChef Lichtblick GmbH

Der private Bestatter meint weiters: "In unseren Standesregeln wird oft das Wort Pietät bemüht. Das bedeutet Respekt und Taktgefühl. Wenn zum Abschied die Polizei mit Fotoapparat erscheint, empfinde ich das als pietätlos. Wir sind 24 Stunden an sieben Tagen erreichbar. Ich kann mich auch nicht von der Polizei vertreten lassen und würde das auch nicht wollen. Denn ich liebe es, Menschen zu unterstützen."

Das sagt Stadt und Polizei

Die Leitung der Kremser Stadtkommunikation gab auf Nachfrage folgendes Statement ab: "Bitte die 'unangenehmen Fragen' mit der Polizei direkt abklären. Hier haben die Mitarbeiter der Bestattung keinen Einfluss. Die Bestattung Krems steht sieben Tage die Woche von 0-24 Uhr zur Verfügung. Außerhalb der Bürozeiten ist unser Team in Rufbereitschaft und wird im Sterbefall von der Polizeiwache Krems verständigt. Ebenso wird ein Arzt verständigt, der den Tod aus medizinischer Sicht bestätigt. Auf der Website der Stadt Krems finden Sie alle Informationen im Sterbefall – das Bestattungs-Team unterstützt in allen Fällen https://www.krems.at/leben/bestattung/todesfall." 

Die Landespolizeidirektion Niederösterreich betrachtet die Sache nüchtern: "Wenn wir am Wochenende zur kriminalpolizeilichen Leichenbeschau gerufen werden, kommen wir dem unverzüglich nach. Es geht auch darum, beim nur geringsten Verdacht, diesen der zuständigen Staatsanwaltschaft zu melden. Dann wird entschieden, ob Obduktion oder nicht."

{title && {title} } {title && {title} } Akt. 13.11.2023, 17:22, 13.11.2023, 05:30
Jetzt E-Paper lesen