Wenn die Temperaturen steigen, läuft bei vielen Hobbygärtnern das immer gleiche Programm ab: Morgens und abends werden die Tomaten gegossen. Doch dieser Eifer ist offenbar oft gar nicht nötig – im Gegenteil.
Tomaten im Freiland müssen in vielen Fällen gar nicht zusätzlich bewässert werden. Das behauptet Landschaftsökologe Thomas Seidl, der auf YouTube als "Tomatenflüsterer" bekannt ist.
Wie 24garten.de berichtet, stammen Tomaten ursprünglich aus den trockenen Regionen Süd- und Mittelamerikas. Deshalb sind sie echte Überlebenskünstler, wenn es um Wassermangel geht.
Das Prinzip dahinter ist simpel: Wenn man eine Tomatenpflanze nach dem Setzen nicht mehr gießt, ist sie gezwungen, ein tiefes Wurzelsystem auszubilden. So gelangt sie an Wasser in tieferen Erdschichten und wird unabhängiger.
"Untertags kann es schon mal vorkommen, dass Triebe schlapp werden, aber spätestens am Abend ist wieder alles stramm. Das halten die Tomaten ohne Probleme aus", erklärt Seidl.
Der größte Vorteil neben der Zeitersparnis: Nicht gegossene Tomaten schmecken oft deutlich besser. Die Pflanze konzentriert ihre Energie auf die Produktion von Zucker und Aromastoffen, statt die Früchte mit Wasser aufzupumpen.
Wichtig ist allerdings: Mulchen ist bei dieser Methode essenziell, um die Feuchtigkeit im Boden zu halten. Vor der Saison wird das Beet mit Pferdepellets, Hornspänen und Urgesteinsmehl gedüngt.
In Töpfen oder Kübeln funktioniert die Methode allerdings nicht, da das Wurzelwachstum begrenzt ist. Auch auf reinen Sand- oder Schotterböden ohne Humus ist regelmäßiges Gießen weiterhin nötig.
Besonders gut geeignet sind alte, samenfeste Sorten wie "Andenhorn", "Berner Rose" oder "Clarita". Diese sind anpassungsfähiger als moderne Züchtungen, die oft für eine konstante Wasserversorgung im Gewächshaus optimiert wurden.