Nach dem verheerenden Tornado in Oklahoma ist nun klar, dass es sich um einen Sturm der höchsten Kategorie gehandelt hat. Der Tornado hat bisher 24 Todesopfer gefordert und nach ersten Schätzungen Schäden in der Höhe von 4,7 Milliarden Euro verursacht. Zahlreiche Menschen haben das Dach unter dem Kopf verloren.
Ein bestürzter Barack Obama hatte nach der Naturkatastrophe in Oklahoma von "einem der zerstörerischsten Tornados in der Geschichte" gesprochen und damit Recht behalten. Nach Angaben der US-Wetterbehörde "National Weather Service" erreichte der Sturm die höchste Stufe auf der in den USA gebräuchlichen Skala. Es habe sich um einen Tornado Stärke EF5 mit Geschwindigkeiten von 320 Stundenkilometern gehandelt. Zunächst hatte die Behörde von der zweithöchsten Stufe EF4 auf der erweiterten Fujita-Skala gesprochen.
Die Schäden des verheerenden Tornados dürften in die Milliarden gehen. Die auf Risikoabschätzung spezialisierte Agentur AIR Worldwide schätzte die Kosten für den Wiederaufbau einer ersten Bestandsaufnahme vom Dienstag zufolge auf etwa sechs Milliarden Dollar. Die Angaben beziehen sich auf eine über drei Kilometer breite Schneise, die der Tornado geschlagen hat.
Feuerwehr rechnet nicht mehr mit weiteren Verschütteten
US-Behörden rechnen nicht mit weiteren Leichenfunden. Er gehe "zu 98 Prozent davon aus", dass unter den Trümmern keine weiteren Toten und Überlebenden entdeckt werden, sagte der zuständige Feuerwehrchef Gary Bird am Dienstag.
Offiziellen Angaben zufolge kamen bei dem Wirbelsturm 24 Menschen ums Leben, mehr als 230 wurden verletzt. Die Schäden an Gebäuden und Infrastruktur sind enorm. "Es ist entsetzlich", sagte die Gouverneurin des Staates Oklahoma, Mary Fallin. "Es sieht aus, als hätte jemand etwas gezündet, das Bauten zerstört. Nicht über Straßenzüge, sondern über Meilen."
75 Schüler hatten Zuflucht gesucht
75 meist jüngere Schüler sowie ihre Lehrer hätten in der Schule Zuflucht gesucht, als der Tornado am Montag gegen 15.00 Uhr (Ortszeit) die 55.000 Einwohner zählende Vorstadt von Oklahoma City traf. In den Stunden danach wurden zahlreiche Überlebende aus den Trümmern geborgen. Die Suche nach den Opfern ging die ganze Nacht über weiter. Eine zweite Schule wurde stark beschädigt.
Die Kleinstadt steht unter Schock. Der Tornado mit Windgeschwindigkeiten von über 300 Kilometern pro Stunde traf die Bewohner von Moore völlig unerwartet. Immer wieder finden Helfer schreckliche Zeugnisse des Überlebenskampfes der Opfer.
Grundschule komplett zerstört
Die Plaza Tower Elementary School wurde während der Unterrichtszeit getroffen und dem Erdboden gleichgemacht. Bei den Bergungsarbeiten fanden Helfer die Leichen von sieben Schulkindern, die aus Verzweiflung ins Schwimmbecken der Schule sprangen und dort ertranken.
Heldenhafte Lehrer
Ein Helfer berichtete einem US-Radiosender unter Tränen, wie Rettungskräfte einen umgekippten Laster vom Körper einer Lehrperson zogen und darunter drei überlebende Kinder fanden, die sie mit ihrem Körper geschützt hatte. Einige Lehrer suchten mit ihren Schülern in den Toiletten der Schule Schutz. Einer Lehrerin gelang es auch hier, sieben Kinder mit ihrem Körper vor den Trümmern abzuschirmen. Alle überlebten.
Singen gegen die Todesangst
Auch in einer Kindertagesstätte, die ebenfalls vom Tornado getroffen wurde, suchten Kinder und Erwachsene Schutz in den Toiletten, um sich an den Wasserrohren festzuhalten. Als der Tornado das Dach abdeckte, sangen die Erwachsenen mit den 15 Kindern "You Are My Sunshine", um die Kleinen zu beruhigen. Alle blieben unverletzt.
Wohngebiete verwüstet
Viele andere hatten nicht soviel Glück. Ein US-Radio berichtet von einer vierköpfigen Familie, darunter ein Baby, die vom Tornado ausgelöscht wurde. Sie hatten in ihrer Verzweiflung versucht, in einem Kühlschrank Schutz zu suchen. Die Rettungskräfte konnten sie nur mehr tot bergen.
Auf einem Foto ist ein älterer Mann, Gene Tripp, zu sehen. Auf einem alten Schaukelstuhl sitzt er inmitten einer trümmerübersähten Wiese. Es ist alles, was ihm von seinem Heim geblieben ist. Der Schock über die Verwüstung ist groß, sein Wille weiterzumachen aber ungebrochen.
Unermüdliche Freiwillige
Viele Freiwillige helfen den Einsatzkräften und graben vielerorts mit bloßen Händen nach Überlebenden. An der Plaza Tower Grundschule bildete sich eine Menschenkette, die überlebende Kinder und Lehrer aus den Trümmern befreit und weiterreicht. Viele der Eltern, deren Kinder noch vermisst sind, wurden in die benachbarte Kirche gebracht, wo sie betreut werden.