Im Oktober wählt Brasilien nicht nur seinen Präsidenten sondern auch beide Kammern des Parlaments sowie die Parlamente der 27 Bundesstaaten. Unter den Kandidaten ist auch Alexya Salvador aus Sao Paolo. Bis zu ihrem 29. Lebensjahr war sie ein schwuler Mann und hieß Alexander.
Dann unterzog sich die Lehrerin und Pastorin einer evangelischen Freikirche einer Geschlechtsumwandlung. Nun kandidiert sie für die linke Partei "Sozialismus und Freiheit" (PSOL) in ihrem Heimat-Bundesstaat Sao Paolo. In ihrer Kirche und in der Schule hätte sie vor allem Zuspruch erhalten. "Die einzigen, die ein Problem damit hatten, waren einige Arbeitskollegen", erzählte sie der Nachrichtenagentur Reuters. "Die Schüler und die Eltern hatten kein Problem damit, dass Professor Alexander jetzt Professorin Alexya ist", sagte sie.
Erste Transgender-Frau Brasiliens die Adoptivmutter wurde
Salvador ist seit Jahren mit ihrem Ehemann Roberto verheiratet. Auch er unterstützte ihre Umwandlung. Als Alexya war sie dann die erste Transgender-Frau, die das Adoptionsverfahren in Brasilien durchlief und Kinder adoptieren durfte. 2015 holte sich das Paar den damals neunjährigen Buben Gabriel aus einem Kinderheim.
Im folgenden Jahr vergrößerte sich die Familie ein weiteres Mal. "Eine Richterin las in einem Interview von mir, dass ich gerne ein Transgender-Mädchen adoptieren wollte. Sie nahm Kontakt auf und meinte, in ihrem Bezirk gebe es ein Transgender-Mädchen", erzählte Salvador. So adoptierte das Paar auch die damals neunjährige Ana Maria.
"Als Transgender zu kandidieren ist schon ein politischer Akt"
Für die linke PSOL kandidiert Salvador mit sozialen Themen. Sie will ins Lokalparlament ihres Heimat-Bundesstaates Sao Paolo. Allein mit ihrem Antreten will sie bereits politisch etwas bewirken, sagte sie den Reuters-Reportern. "In einem Land, in dem Transgender-Menschen immer noch ermordet werden, ist für ein öffentliches Amt zu kandidieren bereits ein politischer Akt", so Salvador.
Sie ist nicht die einzige: Insgesamt 45 Transgender kandidieren in ganz Brasilien für politische Ämter, eine Rekordzahl für das vielfach noch streng katholische und erzkonservative südamerikanische Land.
(red)